[DE] Digital Naiv oder Digital Native. Eher Digital Resident. Meine privaten Gedanken rund um Arbeitswelt, Technologie, Netz, Essen, Fußball und mehr ................................... [EN] Digital Naive or a Digital Native. More likely a Digital Resident. My privateThoughts around work, technology, the web, food, football ...
Sehr interessant Ergebnis einer Studie, die von Harmon.ie gesponsort wurde. Jeder Arbeiter in den USA verliert pro Tag eine Stunde durch Störungen und Unterbrechungen. 57 % dieser Störungen sind unterdessen elektronischer Natur: E-Mail, Instant Messages, Facebook, Wechseln zwischen Anwendungen ...
Dieser Tage bin ich bei der Installation des neuen Firefox-Browsers und bei der Vorbereitung des Vortrags von Arnd Layer und mir zu re:publica auf ein Firefox-AddOn namens Shareaholic gestossen. Mit Shareaholic kann man interessante Links auf Twitter, Facebook, LinkedIn und vielen, vielen anderen sozialen Diensten "sharen" bzw. teilen. Die Liste der Dienste, die unterstützt werden, ist beeindruckend, schier endlos und reicht von sozialen Netzwerken über E-Mail bis zu Blogs und anderen Services. Und dieser Name passt zu vielen Überlegungen und Gedanken, die ich mir um Veränderungen in derzeitigen Arbeitsweise mache. (Nicht nur) nach meiner Beobachtung sehen wir einen Paradigmenwechsel im Verhalten vieler insbesondere junger Leute. Vor allem sie sind wesentlich bereiter, Informationen zu teilen. Sie sind eine Generation, die mit sozialen Netzen, Twitter und SMS aufgewachsen sind. Für viele von ihnen ist es ganz natürlich, Fotos und Statusmeldungen auf Facebook einzustellen. Die Shareaholics sind unter uns. Always on. Überall am sharen, am zwitschern, bloggen und netzwerken.
Und ich höre die Apologeten von Datensicherheit und Datenschutz aufjaulen. Nein, ich möchte die Problematik der Data Privacy um Himmels willen nicht klein reden. Data Privacy muss sein und es ist eine gesellschaftliche Aufgabe von Kindergarten an bis zur Seniorenweiterbildung den Umgang mit Datenschutz und sozialen Medien zu lehren. Aber genau dort muss gehandelt werden und nicht bei der Verteufelung oder dem Verbot sozialer Medien und des neuen "Share-Paradigmas". Die neue Geisteshaltung, die ich hier überspitzt Shareaholic nenne, ist eine riesige Chance für Unternehmen und für den Einzelnen. Endlich ist es technologisch einfach und vor allem von der Mentalität her denkbar, Informationen und Wissen in hohem Maße vorbehaltslos miteinander zu teilen. Endlich müssen viele aus ihren Elfenbeintürmen herauskommen, in denen sie ihr Herrschaftswissen sorgfältig gehortet und geschützt haben. Die sozialen Medien in Kombination mit denen neuen Shareaholics stossen die Türen dieser Türme unaufhaltsam auf.
Luis Suarez hat dieser Tage über die Begrifflichkeiten Knowledge Management, Enterprise 2.0 und Social Business gebloggt und dabei Knowledge Management als Großvater oder Großmama von Social Business bezeichnet. Da ist bei allen Unterschieden im Detail sehr vieles dran. Vor mehr als 20 Jahren haben wir Knowledge Management gepredigt, die Notwendigkeit, Wissen zu teilen und zu bewahren. Mit Tools wie vor allem Lotus Notes haben wir das technologisch zu realisieren versucht. Doch oft war das nicht erfolgreich. Dies lag aber ganz sicher nicht an den Tools. Dies lag vor allem an der Mentalität und daran, dass es nicht gelungen ist, die Mitarbeiter vom persönlichen Nutzen von Knowledge Management zu überzeugen.
Genau hier hat ein Wandel stattgefunden. Durch die jüngere Generation kommen Mitarbeiter in die Unternehmen, die aufgrund ihres privaten Umgangs mit dem Web 2.0 wesentlich eher bereit sind, Wissen und Informationen zu teilen. Die Generation E-Mail Posteingang wird durch die Generation Facebook, durch die Shareaholics, aufgemischt, und zwar dramatisch. Dieser Tage habe ich mich mit einem Kollegen unterhalten, der bemerkte, dass einige Leute vor allem davon leben, in E-Mails ihren Chef oder bestimmte Personen auf CC zu setzen. Von BCC (Blindkopie) will ich hier gar nicht reden. Ed Brill spricht in einem Interview zur Zukunft von E-Mail von denjenigen, die die Welt cc'en. Auch das ist ein Symbol heutiger Verhaltensweise, die durch die Shareaholics in Frage gestellt wird. Die Shareaholics stehen auch und vor allem für Transparenz, mit allen auch damit verbundenen Risiken.
Wird also E-Mail durch Social Software verschwinden? Nein, aber wie E-Mail genutzt wird, ändert sich auch nach Ed Brills Meinung. Ich gehe weiter und sage, auch die Rolle von Dokumenten und Dateien wandelt sich im Zeitalter von Social Business. Einfach zwei Beispiele aus meiner persönlichen Arbeitswelt. Ich war immer jemand, der Informationen geteilt hat. Wie geschah das früher? Ich habe einen Link zu einem Artikel kopiert, vielleicht einen Paragraphen, den Text in eine E-Mail eingefügt und die E-Mail dann an die Adressaten versendet, für die diese Information meiner Ansicht nach wichtig ist. Heute speichere ich den Artikel als Bookmark, als Lesezeichen in der Social Software ab, versehe das Lesezeichen mit den wichtigsten Tags (Schlagworten), füge eventuell einen Kommentar hinzu, und lasse die Social Software ausgewählte Kollegen per E-Mail über das neue Lesezeichen informieren. E-Mail bleibt im Spiel, als Benachrichtigungsmedium, aber nicht mehr als Datengrab, wo Informationen in persönlichen Posteingängen verschwinden. Das Lesezeichen steht von nun an aber allen Kollegen, kann frei über Tags und Suche gefunden werden.
Analog wie bei Lesezeichen verfahre ich unterdessen auch mit Dateien. Wer kennt sie nicht, die riesigen Dateianhänge, die noch immer per E-Mail verschickt werden? Möglichst noch an einen riesigen Verteiler, damit wirklich viel Speicherplatz verbraucht wird. Dateien kommen bei mir in aller Regel ebenfalls in die Social Software, werden genau wie Lesezeichen ge-tagged. Auch hier kann ich E-Mail-Benachrichtigungen senden lassen, wenn es notwendig ist. So sharen wir Dateien übrigens nicht nur intern, sondern auch in der Kommunikation mit Kunden und Partnern, dann eben über eine cloud-basierte Lösung außerhalb des Firewalls. Weitere Beispiele, vom Einsatz von Wikis und Blogs, ließen sich hier hinzufügen. Beispielsweise wird die gesamte Wissensbasis zu und für unseren Bereich in einem Wiki gepflegt, von Vertriebs- über Marketing- bis zu technischen Informationen. Blogs spielen in der Außen- und Innenkommunikation als Medium, schnell und problemlos etwas zu publizieren, eine unterdessen unverzichtbare Rolle.
Folgende Aspekte sind aus meiner Sicht beim Umgang mit Social Software besonders erwähnenswert: Man muß seine ganz persönlichen, gewohnten Verhaltens- und Ich-sende-E-Mail-Muster in Frage stellen und dort wo es sinnvoll ist, seine eigene Arbeitsweise ändern und der neuen sozialen Art zu arbeiten anpassen. Denjenigen, die in sozialen Netzen privat unterwegs sind, fällt das sicher leichter als denjenigen, die dort passiv sind oder nur E-Mail machen. Hier haben auch wir noch Verbesserungspotential, in dem wir Best Practises - wie mache ich was am besten - besser publizieren. Social fängt also erst einmal ganz persönlich an.
Und natürlich befinden wir uns noch ganz am Anfang des sozialen Arbeitens. Der größte Teil der Kollegen lebt noch immer in seiner E-Mail Inbox, in unzähligen Tabellen und Foliensätzen, die bis zum Exzess in der Matrix eingefordert, produziert und verteilt werden. Um so wichtiger sind aus meiner Sicht Leuchttürme wie ein Luis Suarez, der ein Leben jenseits der E-Mail Inbox postuliert, und eben die eigene Arbeitsweise demonstrativ zu ändern. Die Anzahl der eingeforderten Tabellen und Folien ist übrigens durch das Ändern meiner eigenen Arbeitsweise nicht kleiner geworden, aber ich erstelle und aktualisiere sie effizienter und meine Kollegen wissen genau, wo sie in der Social Software zu finden sind.
Natürlich haben sich auch die technischen Rahmenbedingungen seit dem Knowledge Management-Postulat geändert. Internet und soziale Medien spielten vor 20 Jahren sicher nicht die heutige Rolle. Aber die Technologie ist nur ein "Enabler", versetzt die Mitarbeiter auf einfachere Weise in die Lage, Information zu teilen. Wichtiger ist neben dem natürlichen Umgang mit sozialen Tools die fast selbstverständliche Bereitschaft vor allem der jüngeren Leute, diese auch aktiv zu nutzen. Wir sehen das im eigenen Unternehmen und in vielen Projekten. Wer privat auf Facebook unterwegs ist, hat kein Problem in der Benutzung IBM Connections. Wer privat twittert, versteht auch berufliches Microbloggen. Wer privat mit seinen Freunden in Amerika und Australien vernetzt ist, vernetzt sich auch im Unternehmen und über die Firmengrenzen hinaus mit Kunden und Partnern.
Viele Unternehmen - vor allem die sogenannten Early Adoptors - erkennen das geschäftliche Potential, das die neue Mentalität der Shareaholics in Kombination mit Social Software bietet. BASF nennt ihr beispielhaftes Projekt connect.BASF. Bayer-CIO Kurt De Ruwe spricht davon, dass man auf Web 2.0 im Unternehmen gar nicht mehr verzichten könne. Continental entscheidet sich für das Werkzeug, das das Facebook-Prinzip für Unternehmen am benutzerfreundlichsten abbildet. Unternehmen wie Rheinmetall, in einer Branche tätig, die man erst einmal nicht mit Social Software in Zusammenhang bringt, nutzt bereits seit Jahren soziale Netzwerke, Team Rooms und Instant Messaging, weil diese Werkzeuge die interne Produktiviät steigern und Zusammenarbeit verbessern.
Diese Unternehmen sind Vorreiter, aber sie haben das Potenzial erkannt, das in der Kombination von Shareaholics und Social Software steckt. Viele andere stecken noch im Datei- und E-Mail-Paradigma fest und mancher Betriebsrat, manche Führungskraft agieren als Bedenkenträger. Bedenken darf und sollte man haben, aber es gilt zu gestalten, dabei auf Dinge wie Datenschutz Rücksicht zu nehmen. Blockade funktioniert heute nicht mehr. Das zeigen heute schon zu viele Beispiel, aus Wirtschaft und aus Politik. Erbarmen ... zu spät ... die Shareaholics sind mitten unter uns.
Das ist meine Präsentation von der IBM ECM Anwendertagung vom 31. März 2011 in Frankfurt. Ich habe versucht, die Änderungen in der Arbeitsweise und am Arbeitsplatz in den kommenden Jahren zu skizzieren und dessen Einfluß auf Enterprise Content Management. Ich hoffe, dass nun auch viele unserer IBM ECM Partner nun damit anfangen, ihre ECM Lösungen in den Activity Stream über den IBM Social Business Toolkit zu integrieren. Sach- und Fallbearbeitung, Rechhungsprüfung u.v.a. Vorgänge voll integriert und bearbeitbar im Activity Stream. Das ist der Weg.
Attitudes toward management have also changed. As my research makes clear, Gen Y workers see no value in reporting to someone who simply keeps track of what they do, when much of that can be done by themselves, their peers, or a machine. What they do value is mentoring and coaching from someone they respect.
Lynda Gratton prophezeit das Ende des mittleren Managements bzw. einen dramatischen Wandel der bisherigen Rolle. Schaun wir mal ... Ich finde es weiter erstaunlich, wie sich Heerscharen von Managern mit fragwürdigem Zahlen drehen, Folien pinseln und schnitzen und interlockenden Telefonkonferenzen beschäftigt halten können. Schlimm genug, dass sie daraus nicht nur ihre Existenzberechtigung als Manager generieren. Sie halten auch noch viele Andere von produktiver Arbeit und von der Kommunikation mit Kunden Interessenten ab.
Mein Kollege Luis Suarez, der das Leben außerhalb des E-Mail Posteingangs postuliert (und zu leben versucht), wird große Teile dieses auf Spiegel Online erschienen Artikels lieben. Der Autor Rüdiger Klepsch zitiert divers Studien, die belegen, wie E-Mail frisst:
40 Minuten hochbezahlte Arbeitszeit werden tagein, tagaus durch E-Mails unproduktiv vernichtet, ... Auch das verführerische Computersignal "Sie haben Post!" ist der reinste Zeitfresser. Karen Renaud untersuchte dieses Phänomen näher. Die Befragten sagten, sie schauten allenfalls jede Stunde nach. atsächlich aber gingen sie ihre Mails alle fünf Minuten durch. Dabei sind die ständigen Unterbrechungen schädlich für den geistigen "Flow". Glaubt man einer Studie der Universität Cardiff und einer Studie von Thomas Jackson, dann brauchen wir schon für eine fünfsekündige Unterbrechung, ausgelöst etwa durch E-Mails, jedes Mal durchschnittlich 64 Sekunden, um uns wieder auf die alte Aufgabe zu konzentrieren.
Erschreckende Zahlen, wenn man sie hochsummiert. Klepsch plädoyiert für den persönlichen Kontakt, der Teams produktiver arbeiten lässt und dabei hilft, Konflikte zu vermeiden:
Mitarbeiter in Teams müssen persönlich miteinander sprechen und nicht nur mailen, sonst arbeiten sie immer unproduktiver, und die Beziehungen verschlechtern sich. ...
In unserem schnelllebigen Alltag kommen viele auf die Idee, bei Konflikten nicht zum Zimmernachbarn zu gehen, sondern zu mailen. Ein absolutes NO-NO! Jedem Teammitglied sollte klar sein: Konflikte trägt man nicht per Mail aus. Zwar gibt es meines Wissens keine empirische Untersuchung, aber in meiner 20-jährigen Beraterlaufbahn hat der Versuch, über E-Mails Konflikte zu lösen, in aller Regel zu einer Eskalation geführt.
Der Grund: Bei Konflikten geht es neben den Sachfragen immer auch um emotionale Inhalte (ungeklärte Beziehungen, bereits angehäufte Missverständnisse). Deshalb ist das Medium E-Mail zur Konfliktlösung absolut ungeeignet. Schließlich ist es sehr umständlich bis unmöglich, den Sachinhalt und den emotionalen Inhalt der einzelnen Aussagen gleichgewichtig darzustellen.
Ein Gespräch und ein Gesprächstermin sind vielleicht aufwendiger, aber allemal effektiver. Und wenn man den Gesamtzeitbedarf betrachtet, der bei der Eskalation eines Konflikts anfällt, dann ist das Kommunikationsmittel E-Mail auch weniger effizient.
Ich bin auch für den persönlichen Kontakt und das Treffen, wo es möglich ist. Und da sind wir genau beim Punkt. In Unternehmen wie meinem Arbeitgeber IBM arbeiten Teams oft weltweit zusammen. Persönliche Meetings sind oft nicht möglich. Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie alternative Techniken wie Social Software mit Communities bei der Teambildung und Konfliktvermeidung oder -lösung helfen. Ich würde aus eigener Erfahrung vermuten, daß sie auf jeden Fall Teambildung, Transparenz und Wissensaustausch fördern können und somit zu produktiverer Arbeit beitragen. In Communities wird auch durchaus kontrovers diskutiert, jedoch habe ich dort noch nicht die Art von Konflikten wahrgenommen, wie sie in E-Mail Schlagabtauschen üblich ist. Führt die Transparenz in Social Software dazu, dass sich Streithähne disziplinieren? Oder werden die Konflikte nur unterdrückt? Was meint Ihr dazu?
Ein sehr schöner Aufsatz von Robert I. Sutton aus dem Harvard Business Manager. Auch wenn er viele amerikanische Beispiele heranzieht, sind die Lehren lesenswert. Ich verkneife mir natürlich detaillierte Kommentare. Mein(e) Chef(s) könnten ja mitlesen und einiges missverstehen:
Lange Besprechungen, idiotische Anweisungen, Einmischungen von ganz oben - es gibt vieles, das Angestellte davon abhält, ihren Job ordentlich zu machen. Gute Vorgesetzte befolgen sieben Regeln, um ihren Mitarbeitern den Rücken freizuhalten. ,,, Diese Idee, dass Manager als eine Art Puffer fungieren sollten, die die Kernarbeit des Unternehmens vor Ungewissheiten und externen Störungen schützen, ist in der Organisationstheorie ein uraltes Thema ...
Ich bin dafür, dieses Prinzip auf Telefonkonferenzen zu übertragen:
Außerdem ließ er sich einen originellen Trick einfallen, um seine Designer von der Einberufung unnötiger Besprechungen abzuhalten: Immer wenn jemand eine Konferenz anberaumte, musste er einen Dollar bezahlen.
Und so was geht ja gar nicht im Zeitalter des Mobiltelefons, von Instant Messaging und E-Mail:
Im Jahr 2008 nahmen 300 Ingenieure und Manager bei Intel an einem Pilotprogramm teil, in dessen Rahmen sie ihre E-Mail- und Instant-Messaging-Programme jeden Dienstagvormittag vier Stunden lang abschalteten und alle Anrufe auf den Anrufbeantworter umleiteten. In diesen vier Stunden fanden nach Möglichkeit auch keine Konferenzen statt,
Und was ist denn das für eine politisch inkorrkete Überschrift. Ich bin erschüttert:
4. Wehren Sie Idioten von oben ab
... Wenn die Leistung oder das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter durch idiotische Anweisungen von oben bedroht ist, müssen Sie entscheiden, ob Sie nachgeben oder sich dagegen wehren wollen, je nachdem, womit Sie Ihren Leuten - und sich selbst - am meisten helfen können. Manchmal lohnt es sich nicht, Widerstand zu leisten, weil der politische Preis, den Sie dafür zahlen müssten, zu hoch wäre; manchmal erweisen scheinbar idiotische Anweisungen sich im Nachhinein aber auch als durchaus sinnvoll.
Ein sehr kluger, in fast allen Punkten richtiger und lesenswerter Beitrag von Andreas Steinle, der auch genau an der richtigen Stelle - im Manager Magazin - erschienen ist. Zu oft kommunizieren wir die Nachricht in den Web 2.0-Zirkeln und diese werden so von den Managern gar nicht wahrgenommen. Hier einige Zitate, die mir besonders gut gefallen:
Auf der einen Seite wollen Unternehmen ihre Innovationskraft erhöhen und wissen: Wie klug, innovativ und zukunftsfähig ein Unternehmen in der Kreativ-Ökonomie sein wird, hängt entscheidend davon ab, wie frei das Wissen zirkulieren und der kommunikative Austausch stattfinden darf. Dafür bieten soziale Netzwerke den geeigneten Nährboden. Und warum sollten Mitarbeiter in zwei getrennten Wissens- und Kommunikationswelten leben?
Auf der anderen Seite will das Management die Zügel nicht aus der Hand geben. Doch was in den sozialen Netzwerken passiert, lässt sich nicht steuern. Wie es überhaupt immer schwieriger wird, in einer vernetzten Welt, Information und Kommunikation dirigistisch zu kontrollieren.
Sehr schön der Kommentar zum Verbot von Social Media am Arbeitsplatz, den einige deutsche Unternehmen ausgesprochen haben:
Was lässt sich mit so einem Verbot also verhindern - außer der Motivation der Mitarbeiter? Die junge Arbeitskräfte-Generation ist mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken aufgewachsen. Sie will sich mitteilen - und zwar ständig und in Echtzeit.
E-Mail ist für sie ein altmodisches Medium, das kurz vor dem Aussterben steht. Kommunikation organisieren sie über Instant-Messaging und Chats, die immer häufiger in Social Networks eingewebt sind. Verbietet man ihre Nutzung, fühlt sich die Generation Facebook so, als würde sie von der Sauerstoffzufuhr getrennt.
Auch die Bemerkung zum Thema E-Mail trifft es aus meiner Sicht. Ich habe mich dazu ja auch schon geäußert und denke, dass wir eher auf dem Weg zu einer neuen Form von Sozialer Inbox sind und Funktionalitäten sozialer Netzwerke viel stärker in den Mittelpunkt rücken werden. Zu dem Thema passt ja auch Dateien per E-Mail versenden sollte out sein .... Wesentlich wichtiger als der technische Aspekt ist jedoch die veränderte Geisteshaltung. Gerade die jüngere Generation scheint offener bereit zu sein, Informationen und Wissen zu teilen und nicht Herrschaftswissen zu bunkern. Mit höherer Transparenz haben sie offensichtlich weniger Probleme, während ich an anderer Stelle doch deutlich die Bedenkenträger vernehme, die von unerlaubter Leitungskontrolle sprechen, mit Gesetzen und Betriebsrat drohen. Sicher ist der gläserne Mitarbeiter nicht wünschenswert und manche Dinge gehlren nicht kontrolliert. Jedoch erfordert Innovation aus meiner Sicht den offenen Austausch von Wissen, das transparent machen von Wissen. Auf einer Tagung der Hochschule St. Gallen haben wir Social Media als Transparenzmaschine bezeichnet. Auch ich persönlich finde es gut so:
Der Geist geht nicht zurück in die Flasche
Verbote taugen da nur wenig. Der Geist, der einmal aus der Flasche entwichen ist, lässt sich nicht wieder einfangen. Klüger erscheint es, die kommunikative Power der Mitarbeiter in die richtige Richtung zu lenken.
Inzwischen sind über ein Drittel (37 Prozent) der deutschen Bevölkerung in der digitalen Alltagswelt angekommen. Besonders das große Wachstum von neun Prozentpunkten bei den „Trendnutzern“ hat diese Entwicklung erst möglich gemacht. Noch immer ist allerdings die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht Teil der digitalen Gesellschaft. 63 Prozent unserer Gesellschaft sind nicht oder wenig souverän im Umgang mit der digitalen Technik und ihren Medien.
Eine interessante Studie der Initiative D21. Demzufolge bleibt noch eine Menge zu tun. COMPUTER BILD titelt deshalb auch "Digitale Gesellschaft lässt auf sich warten". Ich sehe es etwas positiver, denn im Vergleich zum Vorjahr zeichnet sich eine deutliche eine positive Entwickung ab. Klar, es bleibt viel zu tun. Und es bleibt viel Aufklärungs- und Ausbildungsarbeit zu leisten.
Gartner wagt in seinem Report Watchlist: Continuing Changes in the Nature of Work, 2010-2020 einen Ausblick auf die Entwicklung der Arbeitswelt in den kommenden 10 Jahren. Zwei Bereiche finde ich besonders interessant.
Zum künftigen Arbeitsplatz schreibt Gartner:
The workplace is becoming more and more virtual, with meetings occurring across time zones and organizations and with participants who barely know each other, working on swarms attacking rapidly emerging problems. But the employee will still have a "place" where they work. Many will have neither a company-provided physical office nor a desk, and their work will increasingly happen 24 hours a day, seven days a week. In this work environment, the lines between personal, professional, social and family matters, along with organization subjects, will disappear. Individuals, of course, need to manage the complexity created by overlapping demands, whether from the new world of work or from external (non-work-related) phenomena. Those that cannot manage the underlying "expectation and interrupt overloads" will suffer performance deficits as these overloads force individuals to operate in an over-stimulated (information-overload) state.
Als jemand, der bei IBM weitgehend im Home Office arbeitet, ist der virtuelle Arbeitsplatz mit all seinen Möglichkeiten alltägliche Arbeitspraxis. Die Technologie ist unterdessen so weit. Und wenn Home Office kulturell akzeptiert ist, ist es für bestimmte Aufgabenbereiche ein valides Arbeitsmodell. Ich sehe flexible Arbeitsplatz- und Arbeitszeitmodelle einen der 4 wesentlichen Treiber, die die Mauern des traditionellen Unternehmens niederreißen und die Entwicklung zum Unternehmen 2.0 bringen wird.
Und ja, die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Man wird lernen müssen, Grenzen zu ziehen, sich Freizeit und Freiheiten zu reservieren, um einen Burnout zu vermeiden. Der 24 Stunden-/7-Tage-Arbeitstag darf keine Realität werden, aber auch der 8-17-Uhr Stunden Arbeitstag muß und sollte nicht für jede Tätigkeit der Weisheit letzter Schluss sein. Flexible Arbeitseinteilung mit Pausen für Familie oder das Rasen mähen sollte möglich sein. Die Balance wird man lehren, lernen und für sich selbst kontrollieren müssen. Das ist komplexer, kann aber durchaus für viele Arbeitnehmer Vorteile bieten.
Doch nicht nur Arbeitsplatz und Arbeitszeit werden flexibel: Auch die Bearbeitung von Aufgaben wird vernetzter und erfolgt mit modernen Kollaborationswerkzeugen in ad hoc sich bildenden Teams, in dem, was Gartner Schwärme nennt. Dabei verschwimmen verschwindene traditionelle Grenzen: die bisher gekannten Organisationsschemata, vor allem aber die Grenzen zwischen Unternehmen, Kunden und Partnern, die künftig in hyper-vernetzten Schwärmen von beliebigen Endgeräten aus kollaborativ in der Cloud kommunizieren und zusammenarbeiten werden.
Fazit: Alles in allem keine weltbewegenden Aussagen, aber ein gute Zusammenfassung von Trends durch Gartner.
P.P.S. Auf der Fraunhofer-Tagung Erfolg durch Kollaboration werde ich am 5. Oktober in Stuttgart unter dem Titel Die Mauern werden fallen oder die Potenziale des Unternehmens 2.0 Von Innovation Jam bis Daily Business am Beispiel IBM berichten, wie wir einige der Gartner beschriebenen Trends bereits in der IBM leben.
Und dann ist da noch die Geschichte mit den sozialen Netzwerken. Die meisten Unternehmen wollen unbedingt bei Facebook und Co. präsent sein. Sie wildern damit in einem Bereich, der ursprünglich für Freundschaft und Freizeit gedacht war. Das ist fast so eine Art Hausfriedensbruch. Dadurch werden auch private Facebook-Profile korrumpiert. Zum Beispiel dann, wenn Leute ihr Profil für das Auge von Personalchefs auffrisieren.
Na ja, so eine Aussage habe ich bisher noch nicht gehört: Unternehmen begehen Hausfriedensbruch auf Facebook ... Auch manch weitere Bemerkungen in dem Kommentar sind etwas überzogen. Aber ja, die Grenzen von Berufs- und Privatleben verwischen und deshalb:
Maßvolles Privatsurfen im Internet muss erlaubt sein, wie das ohnehin bei vielen Firmen schon der Fall ist. Denn wenn Unternehmen von den privaten Ressourcen der Mitarbeiter profitieren, sei es deren Freizeit, deren Know-how oder deren Handy, dann müssen sie ihren Mitarbeitern in der Arbeitszeit auch etwas davon zurückgeben. ... Erfolgreiche Zusammenarbeit im Beruf lebt von den stillen Grauzonen des Gebens und Nehmens.