Filed under: InfomationOverload
Utopisten sahen das Internet als großen Gleichmacher - doch was jenseits unseres Kulturkreises passiert, nehmen wir auch online kaum wahr. Das Netz hat unseren Blick auf die Welt nicht geöffnet, sondern verengt.
Provokativ, ich stimme auch den Aussagen in vielen Teilen nicht zu, aber lesenswert. Der Autor ist Gründer des Blognetzwerkes Global Voices und forscht am Berkman Center for Internet and Society in Harvard. Der Text in der Süddeutschen beruht auf einem Vortrag auf der Ted-Konferenz in Oxford.
Einfach ein durchweg lesenswerter Beitrag von Gunnar Sohn! Die sogenannte feuilletonistische Kulturkritik am Netz, die derzeit geäußert wird, erinnert mich in hohem Maße an die Kritik an jedem neuen Massenmedium: an der Zeitung, am Radio, am Fernsehen.
Wann wird man endlich akzeptieren, daß nicht die Medien an sich das Problem sind, sondern vielmehr der Umgang mit ihnen? Die Flut der Informationen ist über die vergangenen Jahrhunderte gestiegen, jetzt durch das Netz nochmals dramatisch. Es geht nicht darum, das Netz zu verteufeln. Stattdessen sollte der Umgang mit Information, die Selektion und Validierng der Information gelernt und vor allem auch gelehrt werden.
Sommerloch: Das Wehklagen über die Informationsüberflutung und die Sehnsucht nach Zeiten im Offline-Modus haben mich am Wochenende demütig werden lassen. Ich kramte völlig unsystematisch in meiner Bibliothek und las ausschließlich analoge Medien. Wirtschaftswoche und Spiegel fordern uns auf, mal abzuschalten und über die Kunst des digitalen Müßiggangs zu sinnieren. Das werde ich in meiner neuen Kolumne „Digitaler Zettelkasten“ nun redlich tun. Au … Read More
via Ich sag mal
Die vergangenen Tage bin ich über diverse Postings und Artikel gestossen, die das Thema Hyperlinks adressieren. Prof. Dr. Gerald Lembke schreibt auf Perspektive Mittelstand über die Hypertext-Organisation und die Vorteile, die durch eine Hypertext-artige Vernetzung auf dem Weg zum Enterprise 2.0 erreicht werden. Die Computerwoche veröffentlichte einen Artikel, der sich damit befasst, daß das Internet und die zunehmende Informationflut oberflächliche Leser produziere. Sie zitiert dabei auhc Nicholas Carr, der einen Grund dafür in Hyperlinks sieht. Carr skizziert in seinem eigenen Blog, wie man sich manchmal durch das Klicken auf Hyperlinks verliert. Man wandert von einer Seite zur nächsten Seite und verliert den Kontext beziehungsweise den ursprünglichen Text. Er spricht von "Delinkification" und rät dazu, alle Hyperlinks als Fussnoten ans Ende eines Postings zu setzen, um so den Lesefluss nicht zu stören. Wer dann Interesse an weiteren Quellen hat, kann von den Endnoten aus zu den entsprechenden Seiten springen. Carr verweist auf diverse wissenschaftliche Experimente und rät dazu, es einmal selbst auszuprobieren. Die Qualität bzw. die Aufnahme der Informationen sei wesentlich tiefer und intensiver,
Als jemand, der vor vielen Jahren mit ersten Windows-basierten Hypertext-Systemen experimentiert hat, bin ich etwas skeptisch. Ja, einerseits verleiten Hyperlinks dazu, von einer Seite wegzuspringen und den Faden zu verlieren. Auf der anderen Seite ist die direkte Verlinkung komfortabler und manchmal kann dieses Wegspringen auch nützlich sein, da man eventuell zu einer Seite gelangt, die für das eigene Interesse gerade relevanter ist. Ich weiß auch, wie frustrierend es ist, wenn der Link dann nicht die Ergebnisse liefert. Die Computerwoche beispielsweise referenziert auf Carr und einen Artikel auf Wired. Der Link geht aber eben nicht zu diesem Artikel, sondern landet auf der Home Page von Wired. Das Carr-Posting mußte ich dann in seinem Blog recherchieren. Genau so sollte nicht verlinkt werden.
Aber zurück zum Thema Hyperlinks und neue Taktiken zum Informationskonsum. Ich glaube, daß Hyperlinks im Text nützlich sind und dort auch beibehalten werden sollten. Es mag dabei durchaus auch Sinn machen, eine Liste der wichgsten Links oder empfohlenen weiterführenden Lektüre ans Ende eines Postings zu setzen. Generell - und darauf bezieht sich der Artikel in der Computerwoche - geht es darum angesichts der Informationsflut in der Lage zu sein, schnell Informationen auf ihre Relevanz zu prüfen. Thorsten Zoerner hat das Thema gerade bei einem Social Media-Workshop, den wir auf der DNUG Frühjahrskonferenz gehalten haben, adressiert. Die Computerwoche zitiert Günter Exel (und verlinkt wieder nicht zum Originaltext auf pressetext):
Mediennutzer müssen lernen, den News-Fluss zu scannen und einzelne Informationen in kürzester Zeit auf ihre Relevanz zu filtern. Das Know-how zum Filtern - maßgeschneiderte News auf Portalen, Twitter-Listen, etc. - wird zum Schlüssel gegen die Überforderung.
Ich persönlich praktiziere seit Jahren (schon vor Zeiten des Internets) unbewußt das Schnelllesen, hangele mich aufgrund von Stichworten schnell durch Texte und konsumiere so Informationen sehr schnell. Analog verfahre ich heute auch in meinem RSS Reader, beim Lesen von Webseiten oder E-Mails. Nur so ist die Informationsflut überhaupt zu bewältigen. Ergänzt werden muß das sicher durch eine sorgfältige Selektion und vor allem auch laufende Pflege der Informationskanäle. In meinem Fall sind das - wie schon einmal gepostet - jenseits meiner E-Mail Inbox mein RSS Reader, Relevants und Google Alerts. Lars Basche hat auf dem bereits genannten Social Media Workshop dargelegt, daß er seine Informationen nur noch über Twitter bezieht, Newsletter und ähnliches abbestellt hat. Sicher muß jeder seine persönliche Präferenz finden, wie man sich informiert. Generell braucht man aber sicher die Fähigkeit, Informationen schnell zu scannen und auf die genannte Relevanz zu filtern. Und auch dies ist aus meiner Sicht (wie generell der Umgang mit Social Media) eine Ausbildungsfrage, eine Frage von Schulen und Universitäten. Ich hoffe zumindest einmal, daß das Web nicht den "Oberflächling" generieren wird, der kein fundiertes Tiefenwissen mehr besitzt, vielleicht stattdessen einen besser informierten, mündigen Bürger, der die Transparenzmaschine Internet nutzt und im Idealfall nicht nur Informationen konsumiert, sondern diese vielleicht sogar kommentiert und in Dialog tritt. Ok, ich bin mal etwas optimistisch blauäugig.
Die relevanten Links:
Pressetext-Interview mit Günter Exel
Nicholas Carr: Experiments in delinkification
Computerwoche-Artikel: Das Internet produziert oberflächliche Leser
Ein kleines Posting darüber, wie ich mich informiert halte. Erst einmal - man muß es bei allen Internet-Pessimisten und Schirrmacher'ischen Bemerkungen einfach nochmals sagen - bekomme ich durch das Netz wesentlich einfacher deutlich qualifiziertere Informationen. Natürlich ist dort draußen eine Unmenge an Informationen vorhanden. Jedoch liegt es an mir, diese gemäß meiner persönlichen und beruflichen Interessen zu selektieren und zu nutzen. Und ich glaube, daß man diese Kulturtechnik, wie man sich Informationen aus dem Netz zieht, lernen und lehren kann - an Schulen oder durch Eltern.
Aber zurück zum eigentlichen Anlaß. Ich nutze derzeit primär 3 Werkzeuge, um informiert zu bleiben:
Für mich selbst überraschend hat sich der von IDG angebotene Dienst names relevANTS bei mir etabliert. Die fleissigen Ameisen arbeiten nach folgendem Prinzip:
Hierfür überwachen relevANTS mehr als 50 wichtige und internationale Nachrichtenquellen im Internet – in Echtzeit.
Jede neue Meldung analysieren relevANTS mit einem einzigartigen und intelligenten Algorithmus und finden so heraus, ob diese Deinem Interessensprofil entspricht. So bekommst Du nur Meldungen, die auch wirklich wichtig für Dich sind. Alle anderen Meldungen filtern relevANTS aus – ...
Ich war skeptisch, nicht wegen der fleissigen Ameisen und des "einzigartigen" Algorithmus, sondern wegen meiner Faulheit. Ich muß die Ameisen trainieren, explizit anklicken, was mich interessiert oder nicht interessiert. Und ich habe nicht gerde ezessiv trainiert, trotzdem bringen mir die releVANTS täglich mindestens zwei bis drei interessante Nachrichten, Informationen oder Artikel aus der IT, die ich über meine anderen Kanäle nicht bekomme.
Meine beiden weiteren Informationskanäle sind dann Google Alerts und RSS-Feeds. Über Google Alerts monitore ich bestimmte Kernbegriffe, die mich interessieren. Besonders amüsant ist mein Alert bezüglich Lotus, denn darüber bekomme ich regelmässig auch Formel 1- und Automobil-Nachrichten neben der ein oder anderen Lotus-Blume hin und wieder. Ich spare es mir unterdessen bewusst, meinen Alert entsprechend anzupassen, da durch die mir zugelieferten Nachrichten doch der ein oder andere etwas andere Tweet zu Lotus auf @lotus_de entsteht.
Tja, und dann ist da noch mein RSS Reader, derzeit Vienna, das NetNewswire von Newsgator auf meinem Mac abgelöst hat. Vienna ist ein Open Source-Projekt, zu dem ich gewechselt bin, weil mir die Integration mit Twitter und Facebook besser als in NetNewswire erschien. Das hat sich aber dann doch nicht als das von mir erwartete Killerfeature herausgestellt. Nevertheless, nun bin ich auf Vienna und habe dort meine Feeds gruppiert und "intelligenten" Ordner eingerichtet. Was mir in Vienna fehlt, ist auf jeden Fall, daß die Anzahl der ungelesenen Artikel in den intelligenten Ordnern angezeigt wird. Das sollte hoffentlich zu fixen sein.
Doch das ist nicht die eigentliche Herausforderung mit RSS. Wie soviele andere Nachrichtensüchtige habe ich natürlich zu viele RSS-Feeds abonniert und muß mich dort einschränken. Einschränken in der Zahl der Feeds und Einschränken durch noch bessere Filter in den intelligenten Ordnern, durch die ich die für mich relevanten Informationen einsortiere und selektiere. Momentan habe ich nicht das von Kollegen und Freund Cyber-Junkie @zoernert beschrieben Problem: "Hilfe! Mein RSS Reader ist leer. Was mache ich nun."
E-Mail Newsletter haben bei mir ausgedient. Zwar läuft noch das ein oder andere Abonnement, jedoch reduziere ich die Zahl laufend. Über die 3 genannten Tools habe ich das Gefühl, alle relevanten Informationen zu bekommen, so daß ich auf E-Mails verzichten kann.
P.S. Ich bin auch gerade dabei, meinen Twitter-Client zu re-evaluieren. Seit mehr als einem Jahr habe ich den Sessmic Desktop im Einsatz. Nun habe ich mal Tweetdeck ausprobiert und seit einigen Tagen läuft jetzt Hootsuite auf meinem Rechner. In allen Clients fehlt mir eine wirklich komfortable Möglichkeit, Zwitscherer elegant Twitter-Listen zuzuordnen. Hootsuite gefällt mir momentan sehr gut, da Tweets sehr einfach auf Termin gelegt werden können. Na, mal schauen, was sich so in der Praxis noch ergibt.
Stephen Baker hat vergangenen Samstag im Feuilleton der FAZ besagten oben im Titel genannten Artikel publiziert. Natürlich in der FAZ. Und natürlich im Feuilleton, das sich meiner Wahrnehmung nach gerade sehr stark an Kulturkritik am Netz ergötzt, mal korrekterweise, oft aber aus meiner Sicht übertrieben. Kritik am Netz üben ist angebracht, Vorsicht ist angebracht. Datenschutz ist angebracht. Statt aber nur zu warnen und den Teufel plakativ an die Wand zu malen und zur Netzabstinenz zu mahnen - siehe an anderer Stelle auch die europäische Behörde ENISA und ihre Empfehlungen -, ist vor allem aber Aufklärung und Ausbildung angebracht, wie man sich im Netz bewegt. Wie gehe ich mit der Flut der Informationen um? Was muß ich beachten, damit meine Daten sicher sind? Wie ziehe ich positiven Nutzen aus dem Netz? Darauf sollten sich viele Kritiker konzentrieren, statt nur zu maulen.
Das Netz ist Fakt. Wir werden damit umgehen (lernen) müssen. Verweigerung ist nicht die Antwort. Nochmals bewusster Umgang, Aufklärung und Ausbildung sind - meiner Ansicht nach - der Weg. Genau wie die Menschheit mit den Medien Buch, Zeitung, Radio oder Fernsehen umgehen lernen musste, muß sie mit dem Medium Netz umgehen lernen. Manche werden es kapieren, andere werden Fehler machen. Manche haben und werden Medien pervertiert und mißbraucht, andere sie zum Nutzen der Menschen eingesetzt. Das war so mit Zeitungen, Radio und Fernsehen. Und das wird so mit dem Netz sein.
Einige Stellen des Artikels finde ich durchaus zitierungswürdig.
Angesichts des Überflusses in den heutigen reichen Gesellschaften führen unsere allesfresserischen Instinkte jedoch zur Fettleibigkeit. Auch Informationen waren lange Zeit ein rares Gut. Sie sind es aber nicht mehr. Wir können uns mit ihnen überfrachten. Wir können uns am Ramsch ins Koma saufen. Damit nähren wir das elektronische Gehirn und riskieren es, unser eigenes verhungern zu lassen. Mehr als je zuvor müssen wir steuern, was wir in unsere Köpfe lassen.
Und ein weiteres Zitat: Ich will fair sein, denn Baker meint die Aussage im gesamtzusammenhang des Artikels kritisch. Ich interpretiere diesen Satz aber positiv und nach vorne gerichtet.
Ohne menschlichen Input wäre unser elektronisches Gehirn nicht viel mehr als eine große Rechenmaschine am Himmel.
A Day in the Internet
An average day online is basically information overload
Created by Online Education
Das Internet als kulturelle Errungenschaft darzustellen, die es zu schützen lohnt, ist keine publikumswirksame These, mit der man es in die Bestsellerliste schaffen würde.
Hier führen stattdessen Bewahrer das Wort, die sich lieber mit der eigenen Überforderung befassen (oder dieser widersprechen) als die politische Dimension der Digitalisierung zu thematisieren: Wo wird in breiter Öffentlichkeit die Frage diskutiert, wie die digitale Zukunft aussehen soll, in die wir unbestreitbar gehen? Wo sind die bürgerlichen Stimmen, die sich für Grundrechte und Freiheiten auch im digitalen Raum einsetzen - auch gegen die wirtschaftlichen Interessen einiger globaler Akteure? Wer entwirft Modelle für die vom Internet bestimmte Welt von morgen, in der dieses nicht einzig von wenigen Wirtschaftsunternehmen und deren Interessen bestimmt wird?
Diese Fragen verlangen jetzt nach Antworten - und außerhalb Deutschlands hat man dies bereits erkannt.
Ein lesenswerter Artikel aus der Süddeutschen zum Thema Freiheit im Internet und der derzeitigen Diskussion um die Überforderung durch die Informationsflut, angefacht durch Frank Schirrmachers Buch Payback und auch in Ibrahim Evsans Fixierungscode behandelt.
Kleine Kicks wie frische E-Mails, neue Twitter-Botschaften oder aktualisierte Facebook-Feeds gefallen unserem Gehirn: Es reagiert fast wie unter Drogeneinfluss, sagen Wissenschaftler. Unschön nur, wenn man bei dieser Dauerberieselung dann nicht mehr zum Arbeiten kommt oder ohne Netz eine Art Entzug erleben muss. Ein sehr interessanter Artikel über die Generation Reload, der zum Nachdenken anregt. Wie oft muss man seinen E-Mail Posteingang prüfen? Wie schnell muss ich immer wieder zu Twitter wechseln, um auch ja nichts zu verpassen? Was passiert gerade auf Facebook? Ja, die Versuchung ist auch bei mir eindeutig da, aber man kann und muss sie kontrollieren. Sie war übrigens immer da, ist nur im Zeitalter Twitter insofern akuter geworden, da die Nachrichten in viel kürzerer Taktung eintreffen. Ich glaube auch, dass es (mindestens) noch einen weiteren Unterschied gibt (und immer gab): Die Geilheit nach News, nach den neuesten Sensationen, dem BILD-ungseffekt. Und der Wunsch, nach neuen Informationen und "Erkenntnis", dem Bildungseffekt. Ich überlege nun, ob ich ein Nachrichten- oder Informationsjunkie bin. Wahrscheinlich bewegt sich jeder zwischen den beiden Polen. Eins ist für mich jedoch auch unbestrtten: Die Möglichkeit, Informationen heute schneller und weltweit zu beziehen, können persönlich nützlich und gerade auch für den Beruf relevanter sein, wenn man bewusst mit den neuen Kommunikations- und Informationskanälen umgeht. Wie in der E-Mail Etikette sollte man sich auch im Umgang mit News ein bewusstes Verhalten angewöhnen. Hier meine persönlichen Konsequenzen in der Übersicht. Manches mag übertragbar sein, anderes nicht: - Schau nicht ständig in die E-mail Inbox, sondern tu es zu definierten Zeiten und bearbeite dann Deine E-Mails.
- Stell Dich im Chat auch mal auf "Im Meeting" oder noch besser "Bitte nicht stören" oder lass das Instant Messaging-Programm mal ganz aus.
- Gönn Dir statt der Zigarettenpause bewusst die Informationspause, wo Du Twitter oder Facebook checkst oder Deine Nachrichten liest.
- Verzichte weitgehend auf E-Mail Newsletter, sondern bezieh Dein Informationen gezielt über RSS Feeds oder Google Alerts.
- Erklär Deinem Partner, daß Du statt auf Papier oder im Fernsehen die "Zeitung" am Computer liest, dort Deine Informationen beziehst und die Kiste nix böses ist.
- Und lass die Kiste im Urlaub einfach aus. Wenn etwas brennt, hat jemand die Telefonnummer, wo man Dich erreichen kann.
- ....
Ben Schwan hat in der Wirtschaftswoche einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema Kommunikationsverhalten unter dem Titel "Einfach mal abschalten" veröffentlicht. Er geht auf die Informationsflut ein, die heute auf den normalen Benutzer einprasseln kann. Ich spreche hier bewusst von "kann", denn ich glaube die Art, wie Informationen konsumiert werden, ist einerseits oft noch eine Generationsfrage, andererseits eine Frage, wer welche Medien benutzt, Typische Szenen zuhause: Meine Frau und ich sitzen auf dem Sofa oder Balkon. Sie hat eine Zeitschrift, Kopien oder ein Buch in der Hand, ich den Macbook auf dem Schoss. Typischer Satz: "Du hängst ja schon wieder (oder immer noch) vor der Kiste". Sie holt sich Ihre Informationen größtenteils in gedruckter Form. Ich beziehe meine Informationen unterdessen weitgehend über das Netz, in hohem Maße per RSS Feeds. RSS-Feed ist ein weiteres gutes Stichwort. Vor einigen Monaten war ich mit dem Kollegen Thorsten Zoerner auf einem Termin. Dabei ging es um Online Communities und der Funktionen. Wir haben dort Lotus Connections vorgestellt und ich habe erzählt, dass man Blogeinträge und anderen Infos per RSS Feed abonnieren, sich im E-Mail Programm oder im News Reader anzeigen lassen kann. Es kam von einem anwesenden Manager die Frage: "Was sind denn RSS Feeds?" Was will ich damit sagen: Wir sollten bei weitem nicht überschätzen, wie weit Web 2.0 Tools und Kanäle verbreitet sind. Viele Baby Boomer (und nicht nur die) sind noch lange nicht im Web 2.0 und man kann sich durchaus die Frage stellen, ob sie jemals dort ankommen werden. Überträgt man diese Beobachtung auf die Einführung von Web 2.0 Tools im Unternehmen, auf Enterprise 2.0 Projekte, so wird deutlich,wie sorgfältig Anwender aller Generationen an Web 2.0 Funktionen herangeführt werden müssen. Viele leben heute immer noch maximal "in der Inbox", im E-Mail-Postgang und sind weit von "Thinking outside the Inbox" entfernt. Und natürlich hat Ben Schwan mit vielen seiner Aussagen absolut Recht; Es besteht die Gefahr zum Informationsjunkie zu werden. 300 - 400 RSS Einträge pro Tag sind einfach nicht zu konsumieren, selbst bei bestem Quer- und Schnelllesen. Der Ausschalter an Computer, Smart Phone hat wie schon zu Zeiten des Fernsehens seine Berechtigung. Ja, und auch der Versuch, unterschiedliche Informationskanäle gleichzeitig zu konsumieren, ist extrem fragwürdig. Bei einer solchen Informationsüberreizung ist nur eine partielle Wahrnehmung von Informationen möglich. Hier stelle ich aber fest, dass man sich das antrainiert. Genau wie ich mir vor Jahren das Schnell- und Querlesen angewöhnt habe (böse Zungen sprechen von oberflächlich lesen), so beobachte ich jetzt eine selektive Wahrnehmung, wenn ich meine Tweets oder RSS Feeds durchgehe: Der Blick für den Informationsnugget, das mich interessiert. Und nein, ich will gar nicht wissen, was mir vielleicht durch die Lappen geht. Doch hier erneut Stop: Wieder sollten wir nicht vom Informationsjunkie ausgehen und an die "normalen" Anwender - welcher Generation auch immer - denken. In der privaten Nutzung wird er meist mit den neuen Werkzeugen alleine gelassen und macht via "learning bei doing" seine Fehler. Man denke nur an die Erfahrungen mit E-Mail Spam und Viren, die viele Anwender privat leidvoll gemacht haben und wohl noch machen. Doch auch im Beruf, wird der Umgang mit E-mail selten trainiert. Welches Unternehmen weist seine Anwender in die Benutzung von E-Mail ein, damit E-Mail korrekt und effizient genutzt wird? Auch E-Mail kann einen ROI haben ... Noch dringlicher ist es, die Einführung neuer Web 2.0 Tools im Unternehmen organisatorisch zu begleiten. Ich korrigiere mich, nicht zu begleiten sondern zu führen. Bei Web 2.0 im Unternehmen soll(te) ein ROI angestrebt werden. Die Einsatzgebiete gehören identifiziert, die Anwender in der Einführung begleitet und trainiert. Bei einem Enterprise 2.0 Projekt geht es nur sekundär um Technik, primär um möglichst nachvollziehbaren Nutzen und Arbeitserleichterung für die Anwender.
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