Filed under: Journalismus
Danke an Frank Hamm für dieses sehr interessante Posting, das zeigt, wie sich die Suchergebnisse im Google abhängig von Device und Anmeldestatus ändern:
"Google liefert bereits heute bei der Suche über einen Desktopbrowser (Safari bzw. Firefox auf Macbook) unterschiedliche Ergebnisse aus, je nachdem wie der Soziale Graph des Suchenden aussieht. Veröffentlichungen und Empfehlungen ('Likes', Tweets mit Links, …) beeinflussen das Ergebnis. ... Ist die Person am Browser nicht angemeldet bekommt sie ein 'objektives' Ergebnis. ... Aber zukünftig fließen die Wertungen von Bekannten, Freunden, Buddies, Kontakten in das 'Soziale Suchergebnis' in einem Maße ein, wie es bis noch vor kurzem nur wenige dachten. Das Netz hat seine Objektivität verloren. Sie hatte sie nie. Es gibt nicht mehr das eine Netz. Jeder hat sein eigenes Netz."
Sehr interessant und ich bin mir zugegebenermaßen nicht sicher, welche Meinung ich hier einnehmen soll. Einerseits tendiere ich zu den vermeintlich "objektiveren" Suchergebnissen, andererseits interessiert mich schon die Meinung meines "Social Graph". Letzterer hat aber eben das Risiko, dass man vielleicht betriebsblind wird und im eigenen Saft brät. Die ideale Konstellation wäre also eine Suche, in der ich optional meinen "Social Graph" einblenden könnte.
Zum Thema Objektivität von Journalisten, das Frank anschneidet, gäbe es viel zu sagen. ich bin ja auch einer und habe es studiert (so man das kann). Ich denke (oder besser hoffe), dass es schon so etwas wie Annäherung an Objektivität gibt, wobei ich den Begriff Qualitätsjournalismus bevorzuge. Das beinhaltet für mich Sorgfältigkeit in Recherche, Quellenauswahl, Quellenüberprüfung und Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit. Viele dieser (nicht kompletten) Parameter würde ich übrigens bei aller stärkeren Subjektivität auch an (Qualitäts-) Blogger anlegen.
Schliessen möchte ich mit Franks Schlussfolgerungen für Unternehmen und Social Media:
"Denn Unternehmen suchen keine Unternehmen: Menschen suchen Unternehmen. Entscheider suchen Unternehmen. Diese Entscheider finden Gutes oder Böses über Unternehmen. Deswegen fällt ihre Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Unternehmen. ... Deswegen können auch Unternehmen nicht mehr ohne Social Media. Sie und ihre Menschen sind zum Vernetzen verdammt."
Soziale Netzwerke Falsche Freunde
Ideen klauen, Mitarbeiter aushorchen – Soziale Netzwerke taugen bestens dazu
Kann über solche Beiträge nur den Kopf schütteln. Wieder mal nur einseitige Panikmache und Negativberichterstattung. Natürlich gibt es Risiken, aber auch Chancen. Von einem sogenannten Qualitätsmedium wie DIE ZEIT erwarte ich anderes: eine ausgewogene Berichterstattung. Und zum Thema Firmen verbieten soziale Medien. Vor 25 Jahren wollte man E-Mail verbieten. Danach wollte man das Internet verbieten. Jetzt will man soziale Medien verbieten. Schwachsinn und Ignoranz. Soziale Medien werden in Kürze ein genauso relevantes Kommunikationsmedium sein wie Telefon, Telefax oder E-Mail. Meiner Meinung nach sind sie es schon heute. Wie kann man als Redaktion nur so etwas freigeben?
Die Trennung zwischen privater und geschäftlicher IT schwindet.
Richtig. Relevante Themen werden in dem Artikel angesprochen: "Private" Geräte wie Smart Phones und Tablets sind auf einem Siegeszug. Soziale Netzwerke lassen die Grenzen zwischen privater und geschäftlicher Welt verschwimmen.
ABER: Es ist peinlich, wie das Handelsblatt für seine eigene Tagung Werbung macht und einzelne Firmenvertreter promotet. So was nenne ich nicht Qualitätsjournalismus, die auf eine offiziellen Handelsblatt-Webseite gehört. Über diesen Artikel gehört die Überschrift Advertorial oder Anzeige ...
Sorry, wenn ich heute abend etwas pingelig bin ...
Die Freigabe großer Informationsmengen kann nämlich schlichtweg auch dazu dienen, Interessantes zu verstecken. Trotz großer Fortschritte in der Datenbank- und semantischen Wortanalysetechnik kann es sein, dass man es mit einer Nadel im Datenhaufen zu tun bekommt. Und Journalisten und Aufklärer sind bislang nicht oder nur unzureichend darauf vorbereitet, jagten sie bislang doch Geheimnissen in der realen Welt nach, nicht Geheimnissen in bereits auf der Festplatte liegenden Gigabyte-Bergen.
...In einer offenen Gesellschaft zu leben, in der immer mehr Menschen immer mehr Zugriff auf wichtige Daten haben, mag den ein oder anderen erschrecken und >harte Reaktionen hervorrufen. Doch ein Zurück gibt es nicht. Journalisten und Experten, Nutzer und Whistleblower müssen das Beste daraus machen. In die Tube geht diese Zahnpasta nicht mehr.
Ich will hier gar nicht auf das Thema Analytics eingehen. Da tut sich ja eine Menge. Viel wichtiger ist mir die Bemerkung von Ben Schwan zur offenen Gesellschaft. Das Internet ist eine Transparenzmaschine. Das mag dem ein oder anderen nicht schmecken, aber es ist zum Glück nicht zu ändern.
Weitere Meinungen und Erfahrungen von ihm können Sie auch in seinem Blog und künftig hier bei silicon.de nachlesen.
Der ein oder andere meiner Blogbeiträge wird nun auch auf silicon.de erscheinen. Den Anfang haben wir mit Mitarbeiterverzeichnis der Zukunft ist das Soziale Netzwerk gemacht. Freue mich sehr über diese neue Kooperation.
Ein witziger Test auf FAZ.NET. Man kann unter Ich schreibe wie ... einen eigenen Text einkopieren und das Tool analysiert dann, welchen Stil man hat. Ich habe das mal mit einem Teil meines 140 Zeichen Multitasking-Postings ausprobiert (sicher nicht ein typischer Text). Aber demzufolge schreibe ich leider nicht wie Goethe oder Heine sondern wie
Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich die Dame nicht kannte. Aber vielleicht ändere ich das ja jetzt einmal:
Ildikó von Kürthy (* 20. Januar 1968 in Aachen) ist eine deutsche Schriftstellerin und Journalistin. Sie schrieb bislang sieben Romane, die alle die deutschen Bestsellerlisten anführten, und ist die derzeit meistverkaufende deutschsprachige Schriftstellerin. Die Gesamtauflage ihrer Bücher beträgt mehr als sechs Millionen. Die Romane wurden in rund 30 Sprachen übersetzt. Die Heldinnen in Ildikó von Kürthys Romanen sind moderne junge Frauen, die mit Witz und Selbstironie ihre eigenen Schwächen schildern und über die Malheurs im Umgang mit Männern räsonieren.
Auch wenn der Gedanke manchmal wirklich verlockend erscheint, komme ich zu dem Schluss: Eine Aufsichtsbehörde wäre zu gefährlich für die freie Presse in Deutschland, das Missbrauchspotential zu hoch. Doch mit jedem Artikel, der die Persönlichkeitsrechte von Menschen mit Füßen tritt, sägt ein Journalist am Ast der Pressefreiheit, gefährdet freien Journalismus von innen heraus und arbeitet daran, nicht nur mich davon zu überzeugen, dass wir doch in gravierenden Fällen eine staatliche Notbremse brauchen. Nicht um kritische Presse zu unterdrücken, sondern um Einzelne vor dem Missbrauch von Pressefreiheit zu schützen.
Eine Aufsichtsbehörde für Presse sollte es im Sinne der Pressefreiheit nicht geben. Anprangern sollte man Mißbräuche auf jeden Fall. Mir stellt sich die Frage, wie generell Shitstorms “gestoppt” werden können. Wir haben die Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch Sensationsjournalismus. Wir haben auch Shitstorms per Twitter und anderen Social Media-Kanälen. Und sie nehmen zu und können nicht gestoppt werden, ohne die Freiheit des Netzes (oder eben der Presse) zu gefährden. Zumindest sehe ich keine wirksamen Mittel.
Das Internet hat die Arbeit der klassischen Medien grundlegend verändert. Rasant etablieren sich Onlineportale als ernst zu nehmende Informationsquellen. Youtube liefert oft schneller Bildmaterial als professionelle Agenturen. Twitter und Facebook werden zur Quelle für Augenzeugenberichte in Echtzeit. Und Wikileaks etabliert sich als mächtige Abwurfstelle für brisante Geheimdokumente. Wenn sich anschließend die klassischen Medien daraus bedienen, beschert das den Portalen die Aufmerksamkeit, die sie dringend brauchen - auch um für Geldgeber interessanter zu werden. Für Werbekunden im Fall von Youtube und Twitter, für Spender bei Wikileaks. Die Zeitungen und Sender kommen so an Geschichten und Bilder, die sie sonst nicht hätten. Die Onlineangebote nehmen ihnen einen Teil der Recherche ab.
Seh reißerische Überschrift, ncht wirklich neue Erkenntnis, aber immerhin berichtet die Financial Times drüber. Soziale Netze und das Web 2.0 sind unterdessen auch als berichtenswert - und nicht nur als Quelle - in den klassischen Medien präsent.
Wer sich online informiert, ist aus verschiedenen Gründen oft besser informiert: Er kann mehr Informationsquellen nutzen, die Informationen werden effizienter verbreitet. Früher hatt man z.B. die FAZ abonniert und bezog seine Informationen vornehmlich aus ihr. Online kann man neben der FAZ noch weitere Publikationen zumindest in Teilen weitaus problemloser konsumieren und bekommt über den eigenen Social Graph noch Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen zugespielt.
...
Ich glaube, das Unbehagen von Politikern wie der Kanzlerin kommt in erster Linie davon, dass “BamS und Glotze” immer weniger funktioniert, um die Massen zu lenken.
Gut, wenn Meinung nicht nur ge-BILD-et oder ge-ZDF-t wird. Da wundert die Beschwerde der Kanzlerin nicht.
Nur wer es sich leisten kann, schreibt ganz entspannt an einem ausführlichen Stück für ein Qualitätsmedium. Weil das aber sehr viele gar nicht können und eventuell auch gar nicht wollen, wandern sie ab. In Branchen, die besser bezahlt sind. Deutlich besser, das muss man wohl dazu sagen. Natürlich war es schon immer so: Wem es ausschlißelich darauf ankam, schnell viel Geld zu verdienen, der sollte nicht in den Journalismus gehen. Journalismus war schon immer eine Sache, die auch ein gewisses Maß an Leidenschaft und Idealismus verlangte. Von Leidensfähigkeit, mit absurden Honoraren über die Runden kommen zu müssen, was allerdings nie die Rede.
... Für Honorare wie diese werden wir dauerhaft nicht das bekommen, was uns seit Jahr und Tag als der große Vorteil von Journalismus gegenüber Bloggern, Communitys und anderen verkauft wird: Qualität, lesens- und sehenswerte Sachen.
Als jemand, der eigentlich in den Journalismus gehen wollte und im Marketing einer IT Firma endete, fühle ich ich natürlich angesprochen. Und ich erinnere mich noch sehr gut an das Zeilengeld, das ich als Anfang 20-Jähriger damals bei der Lahn-Dill-Zeitungsgruppe bekam und von dem ich teilweise lebte.
Ja, die Berichte über Rammler Rudi bei der Karnickelprämierung war nicht unbedingt Qualitätsjournalismus, aber es war von der Pike auf lernen. Und ja, ich habe dann nicht den langen Atem gehabt, mich in die Qualitätsredaktionen durchzukämpfen. Als die FAZ damals ihre Neue Medien-Redaktion aufgab, hab auch ich aufgegeben und bin in die lukrativere PR und ins Marketing abgewandert, wo ich aber heute sehr zufrieden bin. Trotzdem bleibt ein gewisser Wehmut. Die Leidensfähigkeit gab es also schon damals, nur hat es sich jetzt dramatisch verschärft.
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