Peter Marwan hat auf ZDNet gerade ein Artikel unter dem Titel Web 2.0 für Firmen: Nichts Genaues weiß man nicht  publiziert. Er bezieht sich auf eine aktuelle Umfrage der Agentur PR-Com zu Web 2.0 unter DAX-Unternehmen. Nach dieser Umfrage sind die DAX Unternehmen weit vom strategischen Ansatz von Web 2.0 entfernt:

Die Mehrzahl weiß noch nicht so recht, wie sie die neuen Kommunikationsmöglichkeiten nutzen soll.

Die Umfrage scheint mir sehr stark unter dem Aspekt Nutzung von Web 2.0 für Marketing und PR zu stehen. Das Posting passt zu einigen persönlichen Erlebnissen dieser Woche: Auf dem IBM Breakfast Briefing am Mittwoch in München haben wir das Thema Social Software, Web 2.0 und Enterprise 2.0 auch sehr angeregt (nicht nur unter dem Aspekt Marketing und PR) diskutiert. Dabei kam die Anregung eines Besuchers, dass wir doch auf YouTube Videos zu Lotus Connections, der Social Software-Plattform der IBM, stellen sollten, die die Nutzung erläutern sollten. Die gibt es in englischer Sprache und auch wir als Lotus Deutschland nutzen YouTube unterdessen sehr intensiv. Social Media wird – so schliesse ich aus dieser Diskussion, meinen Erfahrungen und Statistiken der vergangenen Monate – durchaus im Geschäftsumfeld genutzt, um sich zu informieren. Es ist nicht mehr nur die Website des Unternehmens, die Kunden und Interessenten aufsuchen, um sich zu informieren.Das zeigen auch neueste Statistiken aus den USA.
Gegen Mittag gab es dann eine interne Telefonkonferenz, wie wir als IBM denn Social Media in PR und Kommunikation nutzen können. Hier kam der Ansatz, dass man darüber als neuen Kanal Pressemitteilungen und Informationen verteilen könne und solle. Sicherlich ein valides Einsatzgebiet und dies bestätigt auch die Ergebnisse der Umfrage, denn zu oft ist es

Fortsetzung der bisherigen Unternehmenskommunikation mit anderen Mitteln: Informationen über das Unternehmen und seine Angebote stehen mit großem Abstand im Vordergrund

Selbst hierzu gibt es Skeptiker. Bei einem Treffen mit Business Partnern gab es sehr kontroverse Diskussion, wie wichtig nun die Social Media-Aktivitäten von Lotus in Deutschland sind. Einer der Teilnehmer spitzte es zu: „Mich interessiert die Anzahl der Follower auf Twitter nicht. Meine Kunden informieren sich anders.“ Also alles nur Spielerei eines geschlossenen Kreises von Cyberjunkies und -freaks, die sich im Netz tummeln? Peter Marwan zieht aus der Studie von PR-Com eine solche Schlussfolgerung:

Das ganze Thema Social Media und Web 2.0 wird derzeit noch überbewertet und lediglich durch eine vergleichsweise kleine Gruppe sich gegenseitig selbst lobender, zitierender und referenzierender Menschen vorangetrieben. Da gehören Agenturen und Medienschaffende sicher ebenso dazu, wie Berufs-Surfer und Marketingspezialisten.

Ich bin da etwas anderer Meinung: Ja, im Web 2.0 sind vielleicht vor allem die innovativen Berufs-Surfer unterwegs. Netzwerke wie Xing zeigen aber, dass dort durchaus bereits ernstes Business gemacht wird. Die Zugriffszahlen unserer eigene EULUC-Plattform, wo wir Kunden zeitnah über interessante Produktneuheiten, aber auch Markttrends und -themen informieren, zeigt mir, dass Web 2.0 zumindest als Informationskanal angenommen wird. Und – wieder aus der eigenen Praxis gesprochen – man kann auch schon heute valide Geschäftskontakte und Leads über das Web 2.0 generieren. Ja, ich würde mir noch mehr Interaktion und Kommunikation wünschen, aber hier befinden wir uns – so glaube ich – in der Lern- und Startphase des Mitmach-Web, bei Unternehmen und bei den Nutzern.
Ich würde das auch in einen größeren Zusammenhang stellen wollen, der über die Nutzung von Web 2.0 für PR und Marketing hinausgeht. Hier einige Thesen:
  1. Das Web 2.0 ist heute bereits eine Informationsplattform, die im Business-To-Consumer (B2C)-, aber auch Business-to-Business (B2B)-Umfeld große Bedeutung hat. Informationen und Bewertungen, die man im Web 2.0 findet, sind oder werden wichtiger als die Informationen auf der Web Site des Unternehmens und Anbieters. Genau wie Bewertungen von Hotels und Reisezielen für die private Urlaubsplanung werden solche Informationen auch im Geschäftsumfeld genutzt (werden). Web 2.0 sollte heute unverzichtbarer Teil des Marketing-Mix sein.
  2. Jedes Unternehmen, das in der „Öffentlichkeit“ tätig ist, braucht heute eine Web 2.0 PR- und Kommunikationsstrategie. Und wenn es nur dafür ist, in Krisensituationen angemessen reagieren zu können. Dazu passt ja auch der Artikel zum Pressesprecher 2.0 in der FAZ.
  3. Web 2.0 ist mehr als PR und Marketing, Und es ist mehr als neue Art der Kommunikation im Netz, Arbeitsweisen und Technologien des Web 2.0 halten auch in Unternehmen Einzug und sind unausweichlich. Jeff Mann von Gartner hat ja gerade sehr optimistisch prognostiziert, dass 2013 80 Prozent der Enterprise Collaboration Plattformen auf Web 2.0-Technologien beruhen werden. Man wird Blogs, Wikis, Instant Messaging, soziale Netze, Lesezeichen usw. auch professionell in Unternehmen – im Enterprise 2.0 – einsetzen. Hier gibt es eine produktive Wechselwirkung zwischen privater und beruflicher Nutzung von Web 2.0-Arbeitsweisen- und Technologien. Social everywhere nennt es mein geschätzter Kollege Peter Schütt. Web 2.0 Technologien stehen in der Tradition und sind eine Weiterentwicklung von Collaboration, Groupware, eLearning, Knowledge Management und vielen anderen Trends der vergangenen Jahrzehnte.

Ja, wir befinden uns in der Anfangsphase. Ja, ein Inner Circle pusht sich derzeit oft gegenseitig hoch. Aber die geschäftliche Nutzung von Web 2.0 in PR und Kommunikation, darüber hinaus und innerhalb von Unternehmen ist genauso wenig aufzuhalten wie es die Nutzung von E-Mail vor Jahren war. Und ich prognostiziere eine ähnich rasante Entwicklung.

P.S. Auf der ZDNet-Seite gibt es auch einen Abstimmung Zum Status Quo von Web 2.0 in Ihrer Firma. Wenn Sie mitmmachen wollen.

Veröffentlicht von StefanP.

2 Comments

  1. Bjoern Negelmann 31/10/2009 um 21:00

    Sehr schöner Beitrag – kann ich nur zustimmen. Am Anfang haben das Internet auf nur ein paar Nerds genutzt. Aber die Effekte sind bei 2.0 – sei es intern oder extern – halt erst langfristig zu sehen. Mit Verlaub sei mir die Frage gegönnt, ob den die Kritiker aus den Reihen der Business Partner die richtigen Partner für Connections sind. Grüsse

    Antwort

  2. Auch ich finde den Beitrag gut. Allerdings glaube ich nicht mehr, dass wir uns in der Anfangsphase befinden. Es hindern häufig lediglich die generationsbedingten, unterschiedlichen Anpassungsgeschwindigkeiten Firmen daran, schneller in Enterprise 2.0 Fuß zu fassen. Schön ist jedoch, dass es keine Vermeidungs – Strategie für Enterprise 2.0 gibt. Die jungen Generationen wachsen selbstverständlich mit „Interaktionsinternet“ auf und erwarten dies auch am zukünftigen Arbeitsplatz 2.0 😉

    Antwort

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