Dem gegenüber steht die Erfahrung einer guten Freundin, die in der Personal und MarCom-Abteilung eines mittelständischen deutschen IT Unternehmens arbeitet. Sie hat sich vor einiger Zeit einen Tag Home Office gegönnt (und dies auch mit ihrem Chef abgesprochen), um ein komplexeres Konzept auszuarbeiten, wofür sie gerne Ruhe haben wollte. Prompt rief dann der CEO, Gründer und patriarchalischer Führer des Unternehmens, bei ihr an und war pikiert, als er erfuhr, sie sei im Home Office. Die Konsequenz: Sie soll nun doch bitte im Büro arbeiten. Wenn nötig, bekäme sie halt ein Einzelbüro.

Flexibilisierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitszeiten sind eben noch nicht überall akzeptiert. Und es ist klar, daß nicht jeder Arbeitsplatz aufgrund der Tätigkeit flexibel sein kann. Jedoch ist das aus meiner Sicht viel öfter möglich als heute praktiziert. Wenn wir von Flexibilisierung der Arbeitszeit sprechen, müssen wir auch das Thema Teilzeitarbeit behandeln. Frauen in der Teilzeitfalle, titelt Melanie Amann in der FAZ, und schreibt „Chef wird nur, wer immer da ist.“. Sie zitiert die IAB-Forscherin Corinna Kleinert:

„In Führungsetagen bleibt Teilzeit ein Randphänomen und reine Frauensache.“

Die Diskussion um die Flexibilisierung von Arbeit geht noch weiter. Das wurde mir nochmals und insbesondere bei der Diskussion mit Palomar5 auf der republica klar. Viele gerade jüngere Leute können sich durchaus vorstellen, als Freelancer mal für diesen Arbeitgeber, mal für jenen zu arbeiten. Das jahrzehntealte Paradigma „Ich arbeite ein Leben lang für einen Arbeitgeber“ ist am Wanken. Jüngere Leute können es sich vorstellen, viele Arbeitgeber würden es sich wahrscheinlich wünschen.
Aber auch hier gibt es valide Bedenken und Befürchtungen. Die Frage der sozialen Absicherung kann und darf nicht vernachlässigt werden. Bieten Teilzeitverträge die notwendige Absicherung, wenn ein Haus abbezahlt oder das Studium der Tochter bezahlt werden muß? Wie ist die soziale Absicherung, wenn solche Modelle vermehrt Realität werden? Auch hier sehe ich einen Widerspruch, Risiko und Chance.
Und noch eine weitere Flexibilisierung kommt mir in den Sinn: Bei vielen verschwimmen die Grenzen von Arbeits- und Privatleben. Wenn ich dieses Posting an einem Sonntag schreibe, ist es dann Arbeit oder ist es Privatvergnügen, weil mich das Thema umtreibt? Diese Diskussion habe ich unter anderem auf der Tagung der Hochschule St. Gallen geführt, als einige Teilnehmer schockiert waren, daß ich viele Blogbeiträge eben am Wochenende schreibe. Dies ist nun in meinem Fall eine freiwillige Knechtung. Was ist aber nun mit dem Fluch der ständigen Erreichbarkeit, wie es u.a. der Spiegel schreibt:

Inzwischen entpuppt sich die totale Erreichbarkeit für immer mehr Menschen als Bürde, weil die Trennung zwischen Arbeits- und Privatleben nicht mehr gelingt.

Also auch hier die Frage, wie ich Flexibilität, die mir moderne Technologien wie das Mobiltelefon oder immer währender Netzzugang bieten, organisiere, wie ich mein Arbeitsleben organisiere, meine Rechte als Arbeitnehmer wahre, aber auch die neuen Chancen nutze.
Jetzt fehlt mir nur noch die Visualisierung der neuen Flexibiltät. Hier erste Versuche:
Viele offene Fragen, die mich sicher noch weiter intensiv beschäftigen werden, auch jenseits des Lotus JamCamps.

arbeit2-11

 

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

3 Comments

  1. Heimarbeit bzw Home Office würde ich jedem anderen Vertrag vorziehen. Mann ist einfach flexibler und kann sich die Zeit einteilen, wie man möchte, gerade auch wenn es Kinder gibt, die mit in dem Haushalt leben. In einem externen Büro ist man sehr gebunden.

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  2. Ich bin ein absoluter Freund des Home Office, stoße aber immer wieder auf Skepsis, übrigens gerade bei Journalisten, mit denen ich über das Thema spreche.

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  3. Ich arbeite auch im Home-Office. Niemals würde ich diese Möglichkeit gegen eine andere tauschen, auch wenn mir mehr Gehalt geboten wird. Es ist einfach schö, macht Spass und man ist sozusagen sein eigener Chef. Besser geht es nicht.

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