Endlich mal nicht das übliche Gejammere der Verlage und druckfarbegeschwärzten Journalisten. Stattdessen eine vernünftige Bestandsaufnahme und Analyse von Julius Endert. Zitierungswürdig!

Früher wurde Wissen so lange gefiltert und verdichtet, bis es in die wissenschaftlichen Bücher oder Journale passte. Heute wird jede Idee, jeder Entwurf in lose miteinander verknüpften Instanzen im Netz gespeichert. …

…  Im Netz dagegen ist alles vorhanden – was aber zunächst auch nicht weiterhilft. Denn hier steht Wahrheit neben Lüge, Verleumdung neben Zitat, Dichtung neben Gedicht, Fakten neben Spam – nur leider jeweils nicht in seiner Eigenschaft als solches gekennzeichnet. So ein Pech.

Neue Strategien und Filter sind also erforderlich, um an journalistisch verwertbares Wissen zu gelangen. …

… Ja, Journalismus erlebt gerade eine Explosion in seinen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Für Beobachter aus der alten Gutenberg-Galaxis muss das aussehen wie eine Super-Nova oder wie ein schwarzes Loch – je nach Beobachtungsstandort. …

Journalismus wandert also ins Netz und ist bei diesem Marsch nicht mehr aufzuhalten. Er funktioniert nur noch vernetzt, und er vernetzt: Er verbindet Menschen mit Themen, Quellen mit anderen Quellen, Daten mit Deutung. Zudem wird der Unterschied zwischen so genannten Profis und so genannten Laien immer undeutlicher und verschwimmt, am Ende ist er vielleicht gar nicht mehr wichtig.

Beispielsweise findet nicht nur in den zahllosen Blogs guter Journalismus statt, auch auf der Wikipedia ist er anzutreffen. …

Die Rezipienten sind derweil schon vorangegangen, eine wichtige Erkenntnis dabei: Menschen vernetzen sich über Themen (und Hashtags). Sie bilden spontane, manchmal dauerhafte, Themengemeinschaften auf den im Netz vorhandenen Plattformen. Stets wird von der einen Milliarde Nutzer auf Facebook geredet, doch in wie viele thematisch gegliederte Untergemeinschaften sie sich aufteilen, ist nicht erfasst.

So wie Facebook sich diesen Wunsch nach Vernetzung zu eigen macht und wirtschaftlich nutzt, so müssen Journalisten und Medienunternehmen hier ihre Chance erkennen, diese thematischen Netze mit ihren Inhalten zu fördern und zu befeuern. Sie sind dabei wie Kristallisationskerne, um die sich neue Gemeinschaften bilden.

via Wissen wandert ins Netz, und der Journalismus muss folgen — Carta.

Verfasst von StefanP.

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