Gerade ist eine Studie von MIT Sloan Management Review und Capgemini Consulting erschienen, die sich dem Thema digitale Transformation widmet. Bei digitaler Transformation geht es darum, wie digitale Technologien (Social Media, Analytics, neue Devices) genutzt werden können, um geschäftlich deutlich erfolgreicher zu werden. Typische Gebiete, in denen man sich durch digitale Transformation verbessern kann, sind eine bessere, nähere Kundenbetreuung (Customer Experience), interne Effizienzsteigerung in den operationalen Prozessen oder gar die Erfindung ganz neuer Geschäftsmodelle durch digitale Möglichkeiten. Der Einsicht, dass die digitale Transformation in den nächsten zwei Jahren für ihr Unternehmen kritisch wird, ist bei 78 % der Befragten da. Die Welt geht derzeit durch eine umfassende digitale Transformation – vom Kundenverhalten über die Erwartung des immer vernetzten Kunden bis zum Internet of things mit allseits vernetzten Geräten. Darauf muss in nahezu allen Bereichen reagiert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wo stehen wir nun? Die Studie teilt Unternehmen in 4 Stufen ein: Die Anfänger (Beginner), die E-Mail, Internet und Unternehmenssoftware nutzen, aber langsam und skeptisch in der Adaption neuer Technologien Social Media oder Analytics sind. Die Konservativen, die bewusst bei der Einführung neuer Technologien zurückhängen und sich erst spät wandeln. Die Trendbewussten (Fashionista), die aggressiv neue Technologien einführen, dies aber oft punktuell und etwas wir ohne abteilungsübergreifende Vision tun. Und dann die Digitalen (Digirati) mit einer geschäftsführung, die eine Vision hat, was dem Unternehmen neue Technologien bringt, und deshalb progressiv in Einführung und Anschaffung hin zu digitalen Transformation vorangeht. And the winner is …

Source: MIT’s Center for Digital Business and Capgemini report

Most companies lack experience with emerging digital technologies. – Source: MIT’s Center for Digital Business and Capgemini report

Nach dem Report stehen 65 % der Unternehmen ganz am Anfang, nur 15 % sind digital fortschrittlich. Aber sie – so die Studie – erzielen signifikanten Nutzen in Umsatz, Gewinn und Marktwert:

Source: MIT’s Center for Digital Business and Capgemini report "The Digital Advantage: how digital leaders outperform their peers in every industry."

Source: MIT’s Center for Digital Business and Capgemini report „The Digital Advantage: how digital leaders outperform their peers in every industry.“

Das grösste Potential der digitalen Transformation liegt nach MIT und CapGemini  im Segment Customer Experience. Hier steht das „Kundenerlebnis“ an erster Stelle gefolgt von möglichen Verbesserungen in der Produktentwicklung bis zur Entwicklung kundenfreundlicherer Serviceangebote. Sinnigerweise decken sich diese Ergebnisse mit den kürzlich veröffentlichten Ergebnissen der IBM Studie, die unter dem Titel The Customer-activated Enterprise- Insights from the Global C-suite Study erschienen ist.

Was sind nun die Erfolgsrezepte? Digitale Transformation ist kein technisches Einführungsprojekt. Es braucht Zeit, Anstrengungen und einen starken Willen, Widerstände zu überwinden. Unternehmen, die erfolgreich sind, haben eine Geschäftsführun, die eine Vision mit den Mitarbeitern teilt und eine Roadmap definiert, die über die Organisation hinweg die Adaption treibt und die ihre Mitarbeiter auch für die digitale Transformation belohnt.Ich halte gerade den letzten Punkt für extrem wichtig. Es gibt sicher eine Zahl von Mitarbeitern, die eine digitale Transformation – sei es nun in der Nutzung von Social Media – unterstützt, jedoch sollten die, die beim Wandel voranschreiten, auch in ihren persönlichen Zielvereinbarungen entsprechend honoriert werden (was nicht immer monetär sein muss).

Most companies fail to tie incentives to digital transformation. - Source: MIT’s Center for Digital Business and Capgemini report

Most companies fail to tie incentives to digital transformation. – Source: MIT’s Center for Digital Business and Capgemini report

Aber digitale Transformation ist kein Selbstläufer. Auch Unternehmen, die nachgewiesen haben, dass sie neue Technologien nutzen, können in Probleme laufen. Technologien wie Social Media, Mobile oder Analytics erfordern eine andere Einstellung und andere Fähigkeiten im Vergleich zu den vorhergehenden Technologien. Und nicht zu vergessen hat sich auch das Verhalten dadurch massiv zu einer Kultur des Teilens gewandelt. Die Studie hat diverse, typische Hindernisse ausgemacht, die Unternehmen bei der digitalen Transformation überwinden müssen. Diese reichen von einer Müdigkeit gegenüber schon wieder neuen Technologien über altersmässige Herausforderungen bei der Adaption, technologischen Hindernissen aufgrund bestehender Infrastruktur über Probleme in der Führung, einer fehlenden oder mangelhaften Vision und Sicherheitsbedenken hin zu berühmten Business Case: Was bringt mir der neue Kram. Die Herausforderungen können  vielfältig sein, in der Führung liegen, organisatorisch begründet, kulturell schwierig oder auch in mangelhafter Überzeugung, dass man sich ändern muss.

Bei allen Herausforderungen und Problemen. Es führt – so die Studie . kein Weg an der digitalen Transformation vorbei. Der Wandel muss von oben kommen und ein Executive oder ein Führungsteam die Transformation führen. Die Unternehmen sollten kleine, zu bewältigende Schritte tun und sich valide Einsatzgebiete suchen, auf denen man erfolgreich ist. An diesen Projekten gilt es dann die Vision zu schärfen und die Einführung latent zu optimieren. Die Studie betont zu recht, wie wichtig es ist, die digitale Transformation mit einem Anreizsystem zu versehen, um so die notwendige Dringlichkeit und Priorität auf das Thema zu legen.

Mein Fazit: Ohne Mitarbeiter 2.0 geht die digitale Transformation nicht

Nicht nur dieser Aussage kann ich vorbehaltlos zustimmen. Digitale Transformation – oder der Weg zum Social Business – ist kein Selbstläufer. Man braucht dazu Führung 2.0 und den Mitarbeiter 2.0. Ok, ich will den Terminus 2.0 nicht zu sehr strapazieren. Es braucht eine andere Art von Führung, die mehr Transparenz und Kommunikation zulässt. Und es braucht wieder Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. So etwas hatten wir ja schon einmal gerade in Deutschland. Man war stolz für eine Firma zu arbeiten und hat das im Privatleben und an den Tresen vertreten. Diese Haltung ist in den Zeiten latenten Stellenabbaus und von Kosteneinsparungen in großen Teilenverloren gegangen. Klar gibt es die Mitarbeiter, die mit persönlichem Enthusiasmus mitmachen, aber viele Kolleginnen und Kollegen müssen wieder motiviert werden. Die digitale Transformation ist dazu nicht nur eine Chance. Ich wage zu sagen, dass die digitale Transformation ohne engagierte und motivierte Mitarbeiter nicht funktionieren wird.

Die Studie von MIT Sloan Management Review und Capgemini Consulting kann hier nachgelesen, ein PDF heruntergeladen werden.

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

8 Comments

  1. Ich halte inzwischen von Belohnungs-/Bestrafungssystemen a la MBO überhaupt nichts mehr, verleiten sie zu sehr dazu, nur nach den definierten Zahlen zu schauen. Häufig genug sind sie so gewählt, dass sie nur punktuell aber nicht gesamtheitlich wirken. Das habe ich nun in mehrere Firmen beobachten können.
    Wenn nicht der Nutzen von allen erkannt werden kann, dann hilft kein noch so klug ausgedachtes Steuerungssystem.
    Und ich bin auch nicht der Überzeugung, dass hier etwas von oben herab „gestiftet“ werden wird. Die Generation-Y, die mit dem interaktiven, vernetzten Web 2.0 aufgewachsen ist, wird schon auch für den Druck von unten sorgen. Und ja, der von Dir angemahnte Kulturwandel wird spätestens durch diese Generation kommen, weil sie für sich erkannt hat, welche Vorteile es hat, vernetzt schnell zu passenden Lösungen zu kommen.
    Siehe dazu auch meine Nachlese zur gerade gefundenen KnowTech..
    Viele Grüße
    Martin

    Antwort

    1. Hallo Herr Bartonitz,

      ich bin etwas anderer Meinung als Sie, wenn es um die Rahmenbedingungen für den Erfolg digitaler Transformation geht. Sie schreiben, dass Sie den Druck der Generation Y für stark genug halten, und auf „stiften“ verzichtet werden könne.

      Ich sehe zwei Punkte, die dem entgegenstehen:
      Zum einen schätze ich die Medienkompetenz der nachwachsenden Generation als viel geringer ein als allgemein erwartet. Facebook ja, Instagramm ja, aber collaborativ arbeiten? Eine etwas höhere Affinität ist sicher gegeben, aber ich sehe an den jungen Kollegen auch dass das kein Selbstläufer wird, diese Basiskenntnisse der Tools in Arbeitsprozesse zu übertragen.

      Zum anderen sehe ich im Alltag dass die größte Bereitschaft der Mitarbeiter nichts bringt, selbst wenn die Tools vorhanden sind, wenn der Eindruck vorherrscht dass die eigene Meinung nicht wirklich gefragt ist. Dass „Störungen“ der Gewissheiten nicht gefragt sind. Dann wird man sich in Acht nehmen den eigenen Kollegen und vor allem Vorgesetzten „auf die Füße zu treten“.

      -> Entweder digitale Transformation wird kulturell vorgelebt, oder es bleibt bei einer Alibiveranstaltung, bei der der Besitz des Tools mit organisationaler Kompetenz verwechselt wird.

      Was meinen Sie? Viele Grüße

      Antwort

      1. Ja, wenn Mitarbeiter gerne offener über Lösungen sprechen wollen, aber merken, dass sie immer wieder gegen die Pumpe laufen, dann wird das ganze wieder in die alten Pfade zurückkehren.
        Es wird einerseits immer wieder kehrende Rituale zum Üben des neuen brauchen (z.B.: http://wirdemo.buergerstimme.com/2013/05/das-innere-spiel-wie-entscheidung-und-veraenderung-spielerisch-gelingt/ ), und auch die Manager müssen besonders geschult werden.
        Wer einmal Großgruppen-Moderationen wie Open Spaces oder gruppenbing teilgenommen hat, der wird verstehen, was die Weisheit der Vielen, also das gemeinsame Erabeiten von Lösungen oder Strategien heißt …
        VG Martin Bartonitz

      2. Hallo Herr Höfer,

        ich denke das Umdenken wird durch die „Generation Y“ kommen. Aber anders als hier geschildert. Sie werden zwar in Unternehmen den Wandel vorantreiben, aber nur in denen, welche diesen auch zulassen.

        Wer sich dem Wandel verschliesst, wird weiterhin erfolgreich sein können, in seiner eigenen Generation. Diese Unternehmen werden einfach Marktanteile verlieren, denn die „Generation Y“ ist ja auch Konsument und Kunde und stimmt jeden Tag mit dem Geldbeutel darüber ab wer Sie erreicht und begeistert hat und wer nicht.

        Das dies in den Unternehmen zu den beschrieben Phänomenen kommt, bin ich mir sicher. Die Frage ist nur, wie schließt man die Lücke zwischen visionärem Management und den digital bewandertem Praktikanten?

        Gruß,

        S. Müller

  2. sorry: „stattgefundenen“

    Antwort

  3. […] das IBM Institute for Business Value – haben dieser Tage zwei neue Studien publiziert. Die MIT-Capgemini-Studie dreht sich im Schwerpunkt um die digitale Transformation. In der IBM Studie wurden weltweit über […]

    Antwort

  4. […] dort das IBM Institute for Business Value – haben dieser Tage zwei neue Studien publiziert. Die MIT-Capgemini-Studie dreht sich im Schwerpunkt um die digitale Transformation. In der IBM Studie wurden weltweit […]

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s