Ein Kommentar zum Beitrag von Martin Schulz in der FAZ  vom 6. Februar 2014.

Da hat Martin Schulz, SPD Politiker und Präsident des Europäischen Parlaments, einen raus gelassen. Im Feuilleton der FAZ mahnt er an, sich gegen Internetkonzerne und Geheimdienste zu wehren. Sehr reisserisch in Überschrift und Vorspann. Im Text wird es dann differenzierter:

„Doch die Verbindung von ,big data‘, also der gewaltigen Sammelleidenschaft für Daten durch Private und den Staat, und ,big government‘, also der hysterischen Überhöhung von Sicherheit, könnte in die anti-liberale, anti-soziale und anti-demokratische Gesellschaft münden.“

Schulz zieht auch einen Vergleich mit der Freiheitsbewegung Ende des 19. Jahrhunderts, die die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt und fordert eine Bürgerbewegung, die mit liberalem, sozialem und demokratischem Staatsverständnis rechtliche Pflöcke einschlägt, die den Schutz der Privatheit in den Mittelpunkt stellt. Bei bürgerlichen Freiheitsbewegung im 19. Jahrhundert werde ich so Hambach-mässig wach. Das war ja schließlich mein Schwerpunktthema im Geschichtsstudium (inklusive der Entstehung der freien Presse und modernen Öffentlichkeit).

Jedoch habe ich Bedenken, dass gerade wir in Deutschland einmal wieder in eine typische Verweigerungshaltung und Technikfeindlichkeit gegenüber dem Internet und digitalen Technologien verfallen. Das beobachte ich auch in meinem Bekanntenkreis, von Facebook-Verweigerern (was ich verstehe und akzeptiere) bis zur oft eher gedankenlosen Verteufelung des Netzes an und für sich. Das Glas ist in Deutschland (fast) immer halb leer, meist sind nur wenige Tropfen im Glas. So rezipiere ich auch den Beitrag von Martin Schulz. Man findet jenseits der Aufforderung, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, nur ansatzweise gestalterische und zupackende Handlungsaufforderungen. Mit Gesetzen allein – die gegenüber Datenkraken und Überwachungswahn nötig sind – gestalten wir aber nicht die Zukunft. Einmal mehr überwiegt der typisch deutsche erhobene Zeigefinger und die Warnung vor der Verdinglichung des Menschen.

Mit einer solchen eher destruktiven Haltung werden wir nicht weiterkommen, werden dem Wirtschaftsstandort Deutschland und auch der persönlichen Qualifikation jedes Einzelnen schaden. Wir müssen uns konstruktiv und kritisch mit den neuen Technologien auseinandersetzen und sie nicht blond und blauäugig gedankenlos konsumieren. Ja, auch unsere Privatsphäre müssen wir schützen, vor allem aber die digitalen Technologien bewusst kompetent gestalten und aktiv nutzen. Darin liegt die Aufgabe.

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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