Dieser Beitrag basiert auf einem Kommentar den ich im Blog meines Freundes Jörg Allmann veröffentlicht habe. Er ist auch ein weiterer Beitrag zur Blogparade zum ‚Arbeitsplatz der Zukunft‘ der Social Business Arena der CeBIT.   Jörg – ein sehr kritischer Zeitgenosse – mokiert sich dabei ein bisschen darüber, dass IBM und insbesondere ich in meiner Rolle als Marketingverantwortlicher für Social Business das Thema Watson und IBM Mail Next beziehungsweise Watson und das Lösungsportfolio der IBM sehr aktiv promoten, dafür manche Basisfunktionen in Produkten wie IBM Notes fehlerhaft sind.

Jörg nimmt hier die Typeahead-Funktion in IBM Notes als Beispiel, wie es nicht funktionieren soll. Von wegen künstliche Intelligenz und so. Ich will das gar nicht entschuldigen und es gibt genug andere Ecken, wo auch ich stöhne, mir wünschen würde, dass eine Funktion nicht nur halb oder schlecht programmiert wäre, sondern auch wirklich das tun sollte, was man als Anwender erwartet.  Eine meiner Lieblingsfeatures – jenseits des Lösungsportfolios der IBM – ist die automatische Vervollständigung von Worten auf iPhone und iPad. Da können schon lustige Dinge herauskommen und von Arbeitserleichterung kann nicht wirklich die Rede sein. Die Zeit, die Unwörter zu korrigieren, frisst ganz sicher die Zeit auf, wo das automatische Vervollständigen hilft.

ABER: Bei aller berechtigten Vorsicht – und Jörg ist seit vielen Jahren in der IT, ergo Berufsskeptiker – sollte man nicht das Potential einer Kombination von intelligenten, lernenden, bei Bedarf sprachgesteuerten Systemen wie Watson und E-Mail und Social Software unterschätzen. Bleiben wir beim Thema E-Mail: Ich habe mich vor einiger Zeit hier im Blog als E-Mail-Sortierer geoutet. Und das Sortieren von Mails kann man nun wirklich in Frage stellen. Sortiert man richtig? Erwischt man alle Infos? Würde die E-Mail nicht auch noch logisch in einen anderen Ordner gehören. Man kann sie aber nur einmal ablegen.

Sollten die Analytics- und KI-Funktionen von IBM Mail Next wirklich so stark sein, wie auf der IBM Connect angedeutet, so ist E-Mails sortieren vorbei. Das macht IBM Mail Next für einem. Informationen – nicht nur Mails sondern auch Infos aus dem sozialen Netzwerk und anderen Quellen – werden automatisch zugeordnet, Informationen gebündelt, Kontext wird hergestellt. Und natürlich kann Information in verschiedenem Kontext auftauchen: Die Frage des Kunden nach einem neuen Feature in einem Produkt erscheint, wenn ich mir den Kunden anschaue, ebenso wie wenn ich mir als Produktmanager als Erweiterungswünsche für mein Produkt betrachte.

IBM Mail Next - Nicht wichtige Mail-Konversationen 'ruhig stellen'

IBM Mail Next – Nicht wichtige Mail-Konversationen ‚ruhig stellen‘

Allein eine solche Funktionalität würde dem Anwender enorm helfen, viel Zeit sparen und die Informationsqualität potentiell enorm erhöhen. Aus meiner Sicht sehr innovativ und – so wie es derzeit ausschaut – ein  Alleinstellungsmerkmal. Kein anderer Anbieter hat so etwas wie für E-Mail und Social Business. Neben vielen anderen angekündigten Funktionen ist  das – wenn es erfolgreich realisiert wird – durchaus revolutionär. Und Marketing hin, Marketing her, darüber darf und sollte man auch schon jetzt sprechen. Andere Marktbegleiter waren da nie so genant wie die IBM. Im Gegenteil. Da wurde schon manche Schlammschlacht veranstaltet. Nehmen wir nur das Beispiel IBM Notes und wie oft es tot gesagt wurde. Gerade wird da wieder von einem Business Partner, der gerne Migrationsdienstleistungen oder -produkte verkaufen will, absoluter Schwachsinn verzapft. IBM Mail Next läuft -wie auf der IBM Connect verkündet wurde – gegen den Domino-Server und ist eine Riesenchance für Domino.

Zurück zu IBM Mail Next: Wenn nur 50 % dessen wahr wird, was IBM mit Mail Next in Aussicht stellt, dann kann man jedem IT-Leiter und CIO-Leiter nur raten:

– Jede Entscheidung für oder gegen ein E-Mail-System in 2014 und 2015 auf Eis legen. Der Wechsel nur wegen konventioneller E-Mailerei rechnet sich einfach nicht. Von Applikationsmigration will ich hier gar nicht anfangen.

– In 2014 und 2015 IBM Mail Next testen (in Beta oder im Final Release). Mein Tipp: Mit Beta 2 anfangen.

– Danach eine Entscheidung aufgrund der Evaluierung treffen.

Sollte nur ein Bruchteil der Möglichkeiten realisiert von IBM Mail Next werden, dann lohnt sich ein Wechsel weg von jenem Marktbegleiter oder auf Domino zu bleiben. Das sieht übrigens auch Jörg im Kommentar zum Kommentar so.

Ich möchte noch einige Bemerkungen zu IBM Mail Next hinzufügen, da hier auch in sozialen Kanälen oder persönlich Fragen gestellt werden bzw. es zu Missverständnissen kam:

IBM Mail Next ist keine Abkehr vom Paradigma des Social Business oder von Social Software. Protagonisten wie Luis Suarez haben das Ende von E-Mail postuliert. Wir haben Marketingkampagnen unter dem Slogan Outside the inbox gefahren, aber viele meiner Kollegen und ich haben auch immer die Koexistenz von E-Mail und Social Software unter dem Stichwort Social Mail postuliert. E-Mail ist für viele Einsatzgebiete genau das richtige Kommunikationswerkzeug. Als Wissensspeicher und Kollaborationswerkzeug ist es jedoch nicht geeignet. Das richtige Werkzeug für den richtigen Zweck, muss das Credo heissen.

Die Kombination, Anreicherung und Integration von E-Mail mit sozialen Funktionen macht Sinn, wie es schon IBM Notes 9.0 Social Edition zeigt und wie es mit IBM Mail Next noch viele Schritte weiter geht: Es kombiniert Mail und (nicht nur) Social Software und bietet die beschriebenen intelligenten Funktionen, die das Leben jedes Nutzers einfacher machen. Ein solch intelligenter Client, nennen wir ihn Mail Next, Connections Mail, Social Mail, Personal Information Manager oder Personal Dashboard, was auch immer, ist ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsplatzes der Zukunft.

Und komfortabel und einfach muss es sein: IBM Mail Next bietet auch eine komplett neue, an Tablet-Nutzung orientierte Oberfläche. Alistair Rennie – damals General Manager von IBM Collaboration Solutions, jetzt für Business Analytics, hat schon vor Jahren eine dramatische Vereinfachung der Benutzerführung angelehnt an die Bedienung mobiler Endgeräte gefordert. Hier sehen wir das entsprechende Ergebnis. IBM – in der Vergangenheit nicht unbedingt für die benutzerfreundlichsten Oberflächen bekannt – setzt auf Design und hat entsprechende Zentren eingerichtet, die auch vom obersten Management genutzt und gefördert werden. Die entsprechenden Präsentationen auf der IBM Connect waren hoch interessant.

Und nochmals: Bevor wieder das Ende von Notes und Domino von mehr oder weniger wohlmeinenden Leuten postuliert wird: IBM Mail Next arbeitet – nachzuhören in den entsprechenden aufgezeichneten Vorträgen der IBM Connect – gegen das Domino-Backend. Warum sollte IBM auch ein so zuverlässiges, stabiles und sicheres Mail Backend aufgeben? Nochmals die Eckdaten, wie sie in Orlando genannt wurden (ohne die berühmte Gewähr): Ene limitierte Beta 1 von IBM Mail Next soll es gegen Mitte 2014 geben, eine weitere, einem breiteren Publikum offene Beta ebenfalls noch in 2014. Wer weitere Infos haben will, kann sich gerne bei mir melden. Das Produkt soll dann 2015 verfügbar sein, zuerst als Cloud-Version, aber auch über eine On Premise-Version wurde gesprochen, die dann wahrscheinlich später kommen dürfte.

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

9 Comments

  1. […] Stefan Pfeiffer: Watson wider E-Mail Sortierei – Auf IBM Mail Next warten? Zumindest prüfen, bevo… […]

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  2. […] Stefan Pfeiffer: Watson wider E-Mail Sortierei – Auf IBM Mail Next warten? Zumindest prüfen, bevo… […]

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  3. Erik Schwalb 14/02/2014 um 02:22

    Toller Artikel. Kleine Anmerkung am Rande: In IBM Notes kann man selbstverständlich ein und dieselbe E-Mail in mehrere Ordner ablegen, wobei die Nachricht nach wie vor nur einmal vorhanden ist.

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    1. Sorry, Erik, für die ungenaue Beschreibung des Schmerzs: Mir geht es um das manualle Einordnen von Mails in Ordner, nicht die physische Ablage. Und klar man auch Regeln definieren, die automatisch ablegen, aber die müssen eben manuell definiert werden … Hoffe, es ist jetzt etwas klarer.

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  4. […] Stefan Pfeiffer: Watson wider E-Mail Sortierei – Auf IBM Mail Next warten? Zumindest prüfen, bevo… […]

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  5. […] abgenommen würde. Wir brauchen Technologie, die den Anwendern genau bei diesen Aufgaben hilft. IBM Mail Next, das kürzlich auf der IBM Connect vorgestellt wurde, zeigt, wohin der Weg gehen muss: Intelligente […]

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  6. […] abgenommen würde. Wir brauchen Technologie, die den Anwendern genau bei diesen Aufgaben hilft. IBM Mail Next, das kürzlich auf der IBM Connect vorgestellt wurde, zeigt, wohin der Weg gehen muss: Intelligente […]

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  7. […] an. Die Möglichkeiten zur Integration von Fachanwendungen sind hier vielfältig. Unter dem Titel “Mail Next” hat IBM angekündigt, die E-Mail-Funktionalität mit in die Oberfläch… Ich denke, dass wir hier schrittweise weitere Integrationen sehen […]

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  8. […] Watson wider E-Mail Sortierer (anzeigen) […]

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