Das „Recht auf Vergessen“ ist eine untaugliche, juristische Hilfskonstruktion für ein wichtiges Ziel, entstanden aus einem politischen Versäumnis. Die Zukunft braucht stattdessen ein Recht auf Datensouveränität, eine Weiterentwicklung des Datenschutzes in Zeiten der Vollverdatung der Welt. Das bedeutet, dass Einzelpersonen mehr Rechte auf Eingriff in die Speicherung von Daten zu ihrer Person bekommen, unabhängig von den Mechanismen der Auffindbarkeit. Spätestens dann aber wird die Abwägung zwischen Privatinteresse und Öffentlichkeitsinteresse so essenziell, dass sie neuer Instrumente und Prozesse bedarf.

via Recht auf Vergessen: Sasha Lobo zum Google-Urteil – Kolumne – SPIEGEL ONLINE.

Ich würde noch wirtschaftliches Interesse hinzufügen, sonst vollkommen korrekt. Es geht heute nicht nur um ein „Recht auf Vergessen“.  Die Herausforderung ist umfassender, siehe die Beiträge zur teilweise nicht nachvollziehbaren Speicherung von Nutzerdaten via „Canvas Fingerprinting“ oder die Datensammelwut von uns Marketiers.

Es geht beispielsweise um den Tausch meine Daten (bzw. ein gewisser Teil davon) gegen kostenlose Informationen oder Services.

Es geht darum, meine Daten als Basis personalisierter, nützlicher, kontextsensitiver, hilfreicher Informationen und Services versus SPAM-abartiger Beballerung mit unnützen und oft auch nicht gewollten Werbebotschaften.

Und ja, es geht auch darum, „seine“ Daten aus dem Netz löschen lassen zu können.

Die Problematik ist nicht einfach. Die Antworten sind es auch nicht. Aber gerade deshalb erfordert es einer fundierten, auch kontroversen öffentlichen Diskussion und Aufklärung!

P.S. Kleine Randbemerkung: Nicht erst mit der „Canvas Fingerprinting“-Technik hat das Übel Einzug gehalten. Auch Cookies und deren exzessive Nutzung durch Gewerbetreibende wird und wurde von vielen Anwendern nicht bemerkt. Das Problem ist also nicht auf eine neue, noch perfidere Technik zu beschränken, sondern muss grundlegend diskutiert werden. Die Netznutzer müssen sensibilisiert werden, ohne aber wieder das Kind mit der Wanne auszuschütten, sprich das Netz zu verteufeln.

Veröffentlicht von StefanP.

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

2 Comments

  1. […] sammeln und personalisiertem Angebot auf den Punkt. Ich habe das ja auch schon mal unter dem Aspekt “Ich gebe Dir meine Daten – Du gibst mir das kostenlose Angebot XYZ” beschrieben.  Die Meinung geht natürlich bei einem solchen Thema auseinander, wie die […]

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  2. […] von Kunden- bzw. Surfverhalten stark umgetrieben. Jeder kennt das Thema ja: Cookies – und nicht nur die – erfassen, wo man im Netz gesurft hat und wofür man sich interessiert, was man vielleicht […]

    Antwort

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