In so einer Notsituation spürt man, dass wir in einer Gesellschaft leben von Menschen, nicht nur von funktionierenden Wesen.

via www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Reisen und Termine / Trauergottesdienst in Haltern.

Diesen Satz hat Bundespräsident Gauck nach der gestrigen Trauerfeier in Haltern gesagt. Jenseits der Betroffenheit über das Flugzeugunglück hat mich dieser Satz besonders berührt. In den vergangenen Wochen habe ich viele Gespräche in meinem Bekanntenkreis geführt, bei denen es um Funktionieren im Job geht. Es scheint so, dass in vielen Unternehmen nur noch dieses Funktionieren im Vordergrund steht. Kein Wunder, dass Mitarbeiterbindung und das Engagement nicht nur in Deutschland nicht gerade berauschend sind, wie beispielsweise der Gallup Engagement Index zeigt.

Der Gallup Engagement Index

Dabei wird immer wieder postuliert und nachgewiesen, dass motivierte Mitarbeiter mehr leisten. Mitarbeiter zu binden, zu motivieren, scheint aber nicht unbedingt an prominenter Stelle bei den Zielen von Unternehmensführung und Middle Management zu stehen. Mitarbeiter sollen gefälligst funktionieren, nicht mehr und nicht weniger. Da wundern solche Umfrageergebnisse nicht:

Nicht motivierte und emotional nicht gebundene Mitarbeiter leisten aber weniger und fehlen öfters. Das scheint aber in vielen Firmen jenseits leerer Lippenbekenntnisse, wie wichtig die Mitarbeiter seien, wenig zu stören. Hauptsache es wird funktioniert und exekutiert.

Ich erinnere mich an Zeiten bei vorhergehenden Arbeitgebern, da nannten wir einen unserer Kollegen scherzhaft den Chief Moral Officer, da gab es immer mindestens eine Führungskraft im obersten Management, die Leuchtturmfunktion für die die Mitarbeiter hatte und dies auch sehr bewusst gelebt hat. Das scheint – wenn ich den Gesprächen glauben kann – in vielen Unternehmen nicht mehr der Fall zu sein. Dem Management wird zumeist die emotionale zwischenmenschliche Kompetenz und Empathie abgesprochen, Apparatschiks statt Führungskräfte. Mitarbeiter vermissen Respekt und offene Kommunikation.

Dies sind rein subjektive Eindrücke aufgrund genannter Gespräche. Trotzdem macht mich das sehr nachdenklich und ja, auch traurig. Ich war und bin jemand, der immer bei allem Leistungswillen und Qualitätsanspruch viel Wert auf Spaß am Arbeitsplatz gelegt hat und legt. Nur Funktionieren und nur Dienst nach Vorschrift erscheint mir zu wenig.

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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