In der Ethik bezeichnet der Begriff eine als wichtig und erstrebenswert geltende Charakter­eigenschaft, die eine Person befähigt, das sittlich Gute zu verwirklichen.

via Tugend – Wikipedia.

Wer sich so das Geschäftsleben, den Quartalswahnsinn, die Bürokratieorgien heutzutage anschaut, der kann schon ins Grübeln kommen. Manche Tugenden – welch ein altmodisches Wort – sind wohl nicht mehr in Mode und die Definition auf Wikipedia klingt auch altbacken und antiquiert. Ich rede nicht von klassischen bürgerlichen Tugenden wie Ordentlichkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Reinlichkeit  oder Pünktlichkeit, von christlichen der ritterlichen Tugenden. Ich rede von Verhaltensweisen und Charakterzügen, die nicht nur, aber im Geschäftsleben besonders aus der Mode zu kommen scheinen.

Respekt ist für mich eine dieser Kardinaltugenden. Respektiere die oder den Anderen und tue ihnen nichts an, was Dir nicht angetan werden soll. Na ja, nicht immer richtig, denn natürlich müssen Chefs auch Entscheidungen treffen, die hart sein können, aber ich denke schon, sie können mit einem gewissen Respekt, Feingefühl und Takt umgesetzt werden. Ein respektvoller Umgang scheint mir jedoch immer mehr verloren zu gehen. Die Mitarbeiter oder der Mitarbeiter müssen funktionieren, koste es, was es wolle an Nerven und Arbeits- und Lebenszeit.

Damit einher geht aus meiner Sicht auch ein immer größerer werdender Mangel an Bescheidenheit. Bescheidenheit ist im Zeitalter der Laut- und Vielsprecher wohl gar nicht mehr gefragt, ja scheint oft für das eigene Fortkommen eher kontraproduktiv zu sein. Wer bescheiden ist, fällt den Chefs eher nicht auf und nur allzu gerne heften sich andere unverdient Lorbeeren ans Revers.

Ein ehrlich gemeintes Danke kommt – wenn überhaupt – auch nicht mehr so oft. Gerade wir Deutschen scheinen zu einem eher rüden Umgangston und zu Direktheit zu neigen. Das muss nicht immer negativ sein und mir ist oft lieber als die aus deutscher Sicht eher unerträgliche Rumeierei andere Kulturen – wer hat einen Amerikaner schon mal klar Nein sagen hören? Trotzdem wäre an mancher Stelle ehrlich gemeinte Dankbarkeit für eine Leistung oder einen Verdienst – jemand hat sich ein Danke verdient … – angebracht. Und damit meine ich nicht die Schulterklopferei, ein Like im sozialen Netzwerk oder das oberflächliche Danke.

Eigenschaften, die scheinbar gerade im Geschäftsleben gar nicht mehr gefragt sind, sind Zivilcourage und auch Toleranz. Wie sagte noch der bayrische Titan so schön: „Wir brauchen mehr Spieler mit Eier in der Hose.“ Solche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Regel nicht gefragt und werden nur zu oft in den Senkel gestellt. Sie sind „negativ“, denn sie sprechen Missstände oder Fehlverhalten an, legen Finger in die Wunden. Der Vorwurf, Ihr kritisiert nur und macht aber keine konkreten Verbesserungsvorschläge, kommt (zu) schnell von den Lippen.

Es fehle die positive Attitüde. Genau diese Attitüde hat man dagegen sehr oft gerade im mittleren Management, das gefälligst zu funktionieren und zu „executen“ hat – und das oft auch stumpfsinnig tut oder resigniert weiter macht. Mitdenken unerwünscht. An den Controlettis und Bürokratikern des Geschäftslebens scheitert jedoch manche noch so gute gemeinte Unternehmensreform oder Neuausrichtung. Unnötige, entbehrenswerte bürokratische Prozesse und Genehmigungsverfahren haben eine ungemeine Beharrungskraft. Der Anspruch, agiler zu werden, erscheint so oft nur ein frommer Wunsch.

Hat Toleranz etwas im Geschäftsleben zu suchen? Unter Toleranz verstehe ich nicht Schlampigkeit dabei, Aufgaben zu erledigen. Es geht eher in Richtung Respekt. Es muss, sollte und darf nicht jeder gleich gebürstet werden. Vielfalt und genau die Toleranz unterschiedlicher Typen ist wichtig und kann auch ein Unternehmen sehr befruchten.

Engagement, „Passion for the Business“ und ständige Höchstleistung werden nur zu gerne gefordert. Das ist auch richtig so. Doch diese Maximen können aus meiner Sicht nur dann eingeklagt werden, wenn auch die genannten Tugenden im jeweiligen Unternehmen und im Geschäftsleben gelebt werden. Ich weiss, naiv und altmodisch.

Veröffentlicht von StefanP.

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

6 Comments

  1. Das hast Du schön geschrieben. Ich möchte noch hinzufügen, dass es auch zwischen Unternehmen diese Tugenden geben sollte. Zwischen Lieferant und Kunde. Zwischen Partnern. Auch hier hapert es ganz oft.

    Antwort

    1. Kein Widerspruch, Euer Ehren Sigi.

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  2. Kompliment zu diesem klasse Beitrag. Damit sprichst du mir aus der Seele. Was auch immer seltener wird – nicht nur in der Geschäftswelt -, ist Zuverlässigkeit. Aber ich hoffe bei allen Tugenden ja auf das Comeback.

    Antwort

    1. Stimmt. Auch so was. Bei seinen Versprechungen bleiben und nicht der Halm im unternehmenspolitischen Wind. Oder ist das eher Glaubwürdigkeit und Integrität?

      Antwort

      1. Glaubwürdigkeit und Integrität trifft es auf jeden Fall auch sehr gut – und beides ist leider heute viel zu oft nicht vorhanden.

  3. Mir fehlt gerade noch das altmodische Attribut Anstand ein … Auch so was …

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