Telefonieren aber ist rückständig, eine Kulturtechnik des letzten Jahrhunderts

Source: Telefonieren: Ruf! Mich! Nicht! An! | ZEIT ONLINE

Ich mag Telefonieren eigentlich nicht. Ich mag es nicht, unterbrochen zu werden. Und ich hasse die Telefonkonferenzen mit zu vielen Teilnehmern, die nichts zu sagen und nichts oder wenig von der Telefonkonferenz zu profitieren haben.

Aber ich stimme Stefan Schmitt nicht zu: Um Dinge effizient zu klären, ist ein Telefonat oft das beste Mittel. Es kann endlose E-Mail-Hin-und-Herpingerei vermeiden und so auch die E-Mail-Flut verringern. Wenn man gezielt und effizient telefoniert. Und ja, auch der persönliche Austausch oder die Willkommens- und Verabschiedungskommunikation gehört dazu. Beim Telefonieren höre ich die oder den Anderen. Es kommt mehr Emotion rüber als in vielen E-Mails. Und es kann positiv spontan und emotional sein.

Und sorry, auch SMS, WhatsApp, Chat, ja auch E-Mail unterbrechen, denn wir lassen uns unterbrechen. Die besagte Zeitautonomie hat nur beschränkt was mit dem Kanal Telefon zu tun. WIR schaffen es oft nicht, uns beziehungsweise unsere Kanäle auf stumm oder aus zu schalten. Das ist kein Problem des Telefonierens. Das ist unser Problem, dass wir glauben etwas zu verpassen und immer erreichbar zu sein.

Deshalb: Wir müssen unsere Kanäle kontrollieren und den richtigen Kanal, das richtige Medium für den richtigen Zweck einsetzen. Und wir müssen auch mal ausschalten wollen und können. Nur das heisst schlauer arbeiten.

Und ja, wir müssen die Kids und die älteren Mitarbeiter ausbilden. Und wir müssen unterschiedliche Kommunikationspräferenzen, oft aber sicher nicht immer generationsabhängig, akzeptieren. Die Aussage, dass Telefonieren eine Kulturtechnik der Vergangenheit ist, ist einfach Quatsch. Genausowenig sind reale Treffen eine antiquierte Kulturtechnik, sondern sehr wertvoll.

 

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

2 Comments

  1. Dann doch lieber Videokommunikation statt Telefonkonferenzen. Insgesamt stimme ich dem Tenor des Zeit-Artikels zu. Favorisiere asynchrone Kommunikation im Berufsleben. Und ja, man kann da seine Zeit besser einteilen, wenn man nicht auf jedes Signal wie ein Hündchen reagiert beim Werfen des Stöckchens. Sonst wird aus der asynchronen wieder synchrone Kommunikation. Etwa bei WhatsApp-Sprachnachrichten. Da ist dann die Telefonie wieder sinnvoll. Aber statistisch gesehen geht das Telefonie-Volumen zurück. Besonders in der Service-Branche. Seit 2006.

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  2. Lieber Gunnar,

    lustig. Gerade hatte ich eine Kollegin an der Strippe, die nach etlichen E-Mails sagte: „Ich muss Dich jetzt doch mal anrufen …“

    Ich bin auch ein absoluter Freund der asynchronen Kommunikation und fühle mich durch Telefonate oft genervt. Wenn dann noch des Öfteren sinnentleerte Telefonkonferenzen hinzukommen …

    Trotzdem habe ich auch festgestellt, dass Telefonate effizienter sein können, um Fragen schnell und kompakt abzustimmen. Ob das nun Video sein muss, gerade auch morgens … Irgendwie bin ich noch nicht auf diesem Zug.

    Und es ist – da sind wir uns wohl alle einig – nicht nur ein Problem der störenden Telefonanrufe.

    Antwort

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