Die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz und Data Privacy ist gerade im Zeitalter exponentiell größer werdender Datenmengen einhergehend mit immer leistungsfähigeren Analysemöglichkeiten dringend notwendig und sinnvoll. Online hinterlassen wir offensichtlich mehr und mehr Spuren, die für die verschiedensten Zwecke genutzt werden. Das bekannteste Beispiel sind sicher die Kaufempfehlungen auf Verkaufsplattformen wie beispielsweise Amazon. Soziale Netzwerke wie Facebook sind ein anderes Beispiel, wo Anwender Daten und Informationen über sich preisgeben und auch dies ist oft kritisch zu sehen.

Warum Enterprise Social Networks?

Auch in Unternehmen werden mehr und mehr sogenannte Enterprise Social Networks eingesetzt, um die Zusammenarbeit im Unternehmen zu fördern und Informationen transparenter zugreifbar zu machen. Diese Lösungen sind mit ihren Sicherheitsmechanismen und ihrer gesamten Funktionalität wie beispielsweise Communities, Wikis, Blogs u.v.a. auf den Einsatz im Unternehmen zugeschnitten. Das laut IDC seit mehreren Jahren führende Enterprise Social Network ist IBM Connections, das gerade im deutschsprachigen Raum in vielen großen, aber auch mittelständischen Unternehmen im Einsatz ist.

Solche Lösungen sind eine Antwort darauf, dass Mitarbeiter unternehmensrelevante und sensible Informationen nicht über Werkzeuge des öffentlichen Internets wie beispielsweise WhatsApp zum Teilen von Dateien (Bilder, Texte etc.) oder auch auf Facebook oder Xing teilen und verteilen sollen. Diese Informationen sollen und müssen im Unternehmen bleiben.

So weit so gut. Natürlich hinterlassen Mitarbeiter, die diese Enterprise Social Networks nutzen, dort auch ihre „Spuren“. Wie sollte es anders sein. Aufgrund dieser Spuren, z.B. wer mit wem vernetzt ist (à la Freunde oder Follower auf Facebook und Twitter), wer welche Beiträge „liked“ oder teilt, entsteht der sogenannte „Social Graph“. Im privaten Web 2.0 ist ein solcher Graph vor allem durch Klout und den entsprechenden Index bekannt.

Das Personal Social Dashboard

Das IBM Team im Labor in Dublin rund um Marie Wallace, Emerging Technology Center hat eine Lösung gebaut, die für Aktivitäten im sozialen Netzwerk „IBM Connections“ Punkte vergibt und diese Punkte in einem sogenannten Personal Social Dashboard visualisiert. Die Mitarbeiter bekommen dort einen sogenannten „Score“, einen Punktewert, wie sie aktuell in ihren „sozialen“ Aktivitäten stehen.

Wer das Werk „The Circle“ des bekannten Autors Dave Eggers gelesen hat, der mag daran denken, wie dort die Protagonistin über ihre Social Score terrorisiert werden. In diesem Buch, das ich auch hier in meinem Blog behandelt habe, wird durch einen Social Score in dem fiktiven Unternehmen The Circle – man kann sicherlich trefflich philosophieren, ob und welche Firma der Autor im Sinne hatte – auf jeden Mitarbeiter immenser Druck ausgeübt, den persönlichen Social Score hoch zu halten. Mitarbeiter werden miteinander verglichen. Fällt der Score ab, kommt es zu Personalgesprächen. Kurz zusammengefasst: Die einzelnen Mitarbeiter werden über den Score gezwungen, noch mehr zu arbeiten, noch weniger Freizeit zu haben und noch mehr Leistung für das Unternehmen zu bringen. Ein Horrorszenario, das kein Mitarbeiter und kein Betriebsrat haben will – und auch besser kein Manager anstreben sollte.

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Privacy by Design als Paradigma

Gott sei Dank hinkt ein Vergleich mit dem Personal Social Dashboard, denn dieses ist ein echt privates Dashboard für den individuellen Anwender. Kein Vorgesetzter und keine Personalabteilung hat Zugriff auf dessen persönlichen Daten und den persönlichen Social Graph des einzelnen Mitarbeiters. Manager haben lediglich eine High Level-Sicht, wie aktiv Teams zusammen arbeiten, und bekommen nie Zugriff auf persönliche Daten. Das Personal Social Dashboard folgt den offiziellen Richtlinien, dem IBM Global Privacy Review Process (GPAT), und hat diesen Prozess in allen Schritten erfolgreich durchlaufen. Mitarbeiter, die das Dashboard nutzen, werden nicht nur explizit informiert, dass diese Prüfung stattgefunden hat, sondern auch über die Kernaspekte von Data Privacy im Zusammenhang mit dem Dashboard informiert.

Das Dashboard, das übrigens nicht Teil des Standardproduktes IBM Connections ist, wird derzeit von einigen Mitarbeitern in der IBM freiwillig genutzt. Die gesamte Entwicklung wurde und wird transparent in der IBM und darüber hinaus diskutiert. Marie Wallace aus dem Labor in Dublin veröffentlicht regelmässig dazu in ihrem Blog Artikel. Sie ist eine bekannte Sprecherin, die beispielsweise Prinzipien die Data Privacy by Design postuliert und immer wieder diese Frage öffentlich behandelt. Marie steht regelmässig mit Betriebsräten in ganz Europa im regen Austausch, die sich die Designprinzipien des Dashboards und von IBM Connections angesehen haben, und hier absolut zufrieden mit den Datenschutzmechanismen sind und waren.

Auch in Deutschland setzt sich IBM intensiv mit dem Thema Datenschutz, Schutz der Mitarbeiter und digitale Transformation auseinander. Zusammen mit der DGFP – der Deutschen Gesellschaft für Personalführung – oder dem openBIT e.V. werden aktiv entsprechende Themen und gerade auch die Relevanz für Personalabteilungen diskutiert, um Leitlinien für eine datengestützte Mitarbeiterführung zu definieren. Weitere Unternehmen und Sozialpartner werden aktiv dazu aufgerufen, mitzumachen.

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Die Notwendigkeit, Data Privacy zu diskutieren

Es ist richtig und wichtig, dass die Thematik Data Privacy aufmerksam beobachtet und diskutiert wird. Auch sollten natürlich entsprechende Lösungen auf Herz und Nieren geprüft werden. Die Aspekte des Schutzes des einzelnen Mitarbeiters müssen von vorneherein mit berücksichtigt werden. IBM Connections wurde und wird beispielsweise in enger Abstimmung mit vielen Betriebsräten und von denen genehmigt in zahlreichen deutschen Unternehmen eingesetzt. Die Datenschutzaspekte werden regelmässig gerade auch von Data Privay-Vordenkern wie Marie Wallace und natürlich den Betriebsräten überprüft und möglichst noch weiter verbessert. Es ist unverzichtbar, dass wir uns gerade jetzt in der Phase einer immer schneller werdenden digitalen Transformation mit den Themen fachlich fundiert und gut recherchiert sachlich auseinandersetzen.

Quellen:

TEDTalk: Marie Wallace: Privacy by design: humanizing analytics

Marie’s Ramblings and Ruminations (Blog)

Veröffentlicht von StefanP.

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

3 Comments

  1. An dieser Privacy weiter arbeiten und Watson fragen, warum das ganz gut wäre , es aber irgendwann doch zum Datenschutz Paradox kommen wird, und dann ist auch die diesjährige Verleihung des Big Brother Award an IBM durch Digital Courage im nächsten Jahr dann gegenstandslos, sondern ein einmaliger Ausrutscher für Connections, gelle?

    Antwort

    1. Nicht mal ein Ausrutscher. Wo soll der sein?

      Antwort

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