Ein lesenswerter Beitrag von Sascha Lobo zur Krise der Sozialdemokratie:

Die SPD ist schon länger keine Arbeiterpartei mehr, aber sie blieb immer eine Partei der Arbeit. Die Arbeit selbst aber ist in der umfassendsten Krise seit Erfindung des Kapitalismus. Warum sollte das nicht auch direkte Auswirkungen auf die Partei haben, die sich darüber definiert? Die Krise der Partei der Arbeit ist für mich nur ein Symptom für die viel größere Krise der Arbeit.

Arbeit ist in Deutschland eine Ersatzreligion. Das hat zweifellos Vorteile, der Wohlstand des Landes ist darauf aufgebaut. Der Nachteil an quasireligiösen Systemen ist aber, dass sie für rationale Analysen nicht besonders offen sind. Mit der digitalen Transformation, der Automatisierung und einer Vielzahl neuer Einzeltechnologien, von autonomen Roboterschwärmen bis Virtual Reality, verändert sich Arbeit gerade massiv.

Source: SPD: Auf die Krise der Arbeit folgt die Krise der Partei – Kolumne – SPIEGEL ONLINE

Sascha legt in der Folge dar, wie einerseits klassische „Arbeiterjobs“ durch Roboter und kognitive Systeme wegfallen, andererseits die Ersatzreligion Arbeit an Wirkungskraft verliert. Viele Arbeitnehmer definieren sich nicht mehr – wie in der  Vergangenheit – über Arbeit, wie ja auch gerade in den Wertewelten aus der Studie des BAMS deutlich wird.

Daneben fehlen der SPD nicht nur die charismatischen Köpfe – das hat sie mit einer anderen sogenannten Volkspartei weitgehend gemein – und Querdenker wie auch prägende Themen, über die man sich in der Vergangenheit profilieren konnte. Man denke an Brandts Ostpolitik.

Zudem hat die Partei die Zukunftsthemen auch im Bereich Arbeit verpennt und verharrt – wohl nicht nur meiner Wahrnehmung nach – in Verbots- und Denkmustern des 20. Jahrhunderts statt die neue Arbeitswelt mit ihren vielen Risiken, aber auch ihren Gestaltungschancen anzugehen.

Die Krise der Arbeit kann und muss eigentlich als Chance der Arbeit gesehen werden. Aber dazu bräuchte man halt auch Parteien, die sich dieser Veränderung positiv stellen, anstatt das 20. Jahrhundert weiterführen zu wollen, weil sie sich keine andere Welt vorstellen können. Oder wollen.

Veröffentlicht von StefanP.

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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