Ein interessanter Disput zwischen Peter Diekmann (@derPeder) und Ole Wintermann (@OleWin) zum Thema digitale Transformation. Und beide treffen in ihren Beiträgen interessante Aussagen. In der Diskussion geht es um die Konfrontation zwischen denen, die digital vorangehen wollen und denen, die verweigern und bremsen.

Meine 2 Cents vorweg, bevor ich einige Kernaussagen der beiden Protagonisten zitiere und kommentiere: Wir werden die digitale Transformation genauso wenig aufhalten können wie wir die industrielle Revolution aufhalten konnten. Verweigerungshaltung wird nicht helfen, eher schaden. Stattdessen müssen wir gerade in Deutschland, wo selbstredend die Verweigerer und Skeptiker besonders häufig sind, die digitale Transformation viel offensiver aufgreifen und aktiv gestalten. Dabei darf es nicht um blauäugige Adaption, sondern um Transformation mit Hirn und humaner Verantwortung gehen.

@derPeder stellt die zwei Welten schön plakativ gegenüber:

Den einen fehlt Geduld, es geht ihnen zu langsam bis andere endlich neue Techniken und Prozesse verstehen und so schotten sie sich ab und verstärken sich gegenseitig in Unzufriedenheit in ihrer Filter-Blase. Den anderen geht das alles viel zu schnell, sie wollen erst überzeugt sein, dass dieses ganze Social und Digital Zeug eine sinnvolle Sache ist. Viele dieser Offliner sind mit Sicherheitsdenken und Freigabeworkflows sozialisiert worden und stoßen nun auf eine Kommunikationskultur, die ihnen so fremd ist wie das Radio im Vor-Industrialisierungszeitalter.

Source: Digitale Kurzatmigkeit — hundert eins — Medium

Ja, der Wille neue Technologien und Arbeitsweisen ist nicht besonders ausgeprägt. Lasst es mich mal auf ein sehr einfaches Level aus dem täglichen Büroleben bringen: Wenn ich unternehmensintern immer noch riesige Dateianhänge per E-Mail bekomme, obwohl einfache Lösungen zum Teilen von Dateien gibt, dann ist das sehr frustrierend. Ja, lieber @derPeder, es mag teilweise sein, dass wir ‚Nerds‘ viele nicht mitnehmen. Das liegt aber mindestens genauso oft am Unwillen, seine gewohnte, vermeintlich bequeme Arbeitsweise nicht ändern zu wollen.

Aber es kommt aus meiner Sicht noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Fehlende Führung und fehlendes Vorleben digitaler Arbeitstechniken. Dem mittleren Management kommt auch eine essentielle Rolle in der digitalen Transformation zu. Wenn der Vorgesetzte, neue Arbeits- und Verhaltensweisen nicht vorleben oder vielleicht gar nicht wollen, wird es umso schwieriger. Und genau dort sehe ich ein gerütteltes Maß an Uneinsichtigkeit, Verweigerung und Fokussierung auf ganz andere Aspekte ihres Berufslebens. Statt Leading by example in der Adaption moderner Arbeitsweisen und der damit einhergehenden digitalen Transformation scheint es oft doch eher um Besitzstandswahrung, das Funktionieren in der Hierarchie und die eigene Karriere zu gehen.

Dies war gerade nur ein triviales Beispiel des Büroalltags, es zeigt aber auch die generelle Problematik gerade in unserem Lande. Das ist – und da bin ich bei @OleWin – schon ein gerütteltes Maß an Verweigerungshaltung. Wir können uns eine solche Haltung gerade in unserem Land nicht leisten. Was ist nötig? Ja, es ist ein Change Management-Projekt:

Dabei geht es ebenso um Technik und Plattformen als auch um Arbeits- und Verhaltensweisen, um Belohnungs- und Bewertungssysteme, und schließlich um komplette Strategien und Zielanpassungen. Dieser lange Weg von #Nowland nach #Nextland kann je nach Organisation lange dauern und ist ein ständiges Change-Management-Projekt. Digitaler Wandel ohne Change-Management, ohne Verständnisentwicklung der Mitarbeiter für neue Arbeitsplatzmodelle und den Kulturwandel wird keine nachhaltigen Erfolge haben.

Source: Digitale Kurzatmigkeit — hundert eins — Medium

Gegessen. Aber Wandel kann in verschiedenen Geschwindigkeiten vonstatten gehen. Nur Ignoranz aufgrund der eigenen Karriere und Schneckentempo sind sicher nicht angesagt. Heben wir es mal mit @OleWin vom trivialen E-Mail-Anhang und dem Mitarbeiter über das Verhalten und die Prioritäten des Middle Mangements auf die vermeintlich strategischere Führungsebene hochbezahlter Manager und Vorstände:

Diese Verweigerungshaltung von bisher relevanten Akteuren in Wirtschaft und Politik gegenüber der digitalen Welt hat bereits volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet (Stichwort z.B. Störerhaftung). … Die Verweigerungshaltung auf betrieblicher Ebene hat zu krisenhaften Zuständen in der deutschen Autoindustrie geführt, die plötzlich als altbacken im Vergleich zu Tesla und Co. erscheinen. Wenn hochbezahlte Manager und Vorstände immer noch nicht – und das trotz des Vorliegens etlicher Studien – begriffen haben, dass die Digitalisierung ein Thema für sie sein könnte, sind sie fehl am Platze.

Source: Digitale Kurzatmigkeit oder analoge Kurzsichtigkeit – Eine Replik – Netzpiloten Magazin

Und @OleWin fordert dann aus meiner Sicht korrekterweise die Offenheit und – ich füge hinzu – den Willen ein, sich der digitalen Transformation zu stellen, sie anzunehmen und zu gestalten. Und das gilt übrigens für Mitarbeiter und Manager aller Hierarchiestufen:

Es muss jedoch auch die Bereitschaft zur Offenheit, zum Eingestehen des eigenen Beginner-Status im digitalen Bereich und zum Anpassen an veränderte Arbeitsweisen vorhanden sein. Diese Offenheit erlebe ich aber gerade bei politischen und wirtschaftlichen Entscheidern in den seltensten Fällen.

Source: Digitale Kurzatmigkeit oder analoge Kurzsichtigkeit – Eine Replik – Netzpiloten Magazin

Randnotiz: Lesens- und ansehenswert die von @derPeder zitierten auf Cachelin beruhenden 16 Typen typischer Offliner mit ihren Motiven, Menschen von digitalen Welten fernhalten:

16 Typen von Offlinern im Überblick, Bild von www.wissensfabrik.ch/offliner-buch/

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

One Comment

  1. Michael Jacob 20/06/2016 um 11:13

    Guter Blog. Ich denke je einfacher es wird für den Mitarbeiter/Konsumenten, die neuen Technologien anzunehmen und je mehr Vorteile er hat, desto mehr wird er sie annehmen. Dazu müssen Unternehmen, Shops, Behörden etc intern und extern noch einiges an Aufwand betreiben. Hinderlich ist sicher, dass in vielen Unternehmen abgewartet wird, Diskussionen zu Datensicherheit etc…

    Antwort

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