Die kommenden 2-3 Jahre werden im Bereich für Kollaborations- und Kommunikationslösungen extrem spannend. Facebook hat kürzlich seinen eigenen Workplace für Unternehmen angekündigt. Google arbeitet weiter an seiner G-Suite und auch Microsoft schläft nicht, baut auf Office 365 und versucht mit Cortana künstliche Intelligenz in seine Lösungen zu integrieren. Doch auch die IBM schläft nicht, spielt die Watson-Karte und zieht ins Silicon Valley.

Seit einigen Monaten ist sie nun in Amt und Würden, die neue General Managerin für IBM Collaboration Solutions, Inhi Cho Suh. Nun ist auch die Handschrift dieser Veteranin des Analytics-Bereichs – so nennt sie ein amerikanischer Kolumnist trotz ihres vergleichsweise jugendlichen Alters – deutlich zu sehen. Ihre Strategie scheint auf zwei Eckpfeilern zu basieren: Sie öffnet und integriert die Geschäftseinheit wesentlich intensiver in das Analytics-Geschäft der IBM. Sehr deutlich wird das durch den Namen, mit dem man seit der kürzlich stattgefunden es World of Watson trägt: IBM Watson Work. Und die erste Produktausprägung sieht man in IBM Watson Workspace, der Lösung die dort ebenfalls vorgestellt wurde und die sich in einer PreBeta befindet.

Der Weg ist nur konsequent. Trotz exzellenter Produkte wie IBM Connections – immer noch das leistungsstärkste Enterprise Social Network im Markt – und des neuen, innovativen Web-E-Mail-Klienten IBM Verse – der zuerst sehr große Aufmerksamkeit im Markt erzeugte – flaute dann doch die Aufbruchstimmung und Wahrnehmung im Markt etwas ab. Spätestens seit der Ankündigung von IBM Watson Workspace, eher schon früher ist der Buzz rund um die Kollaborationlösungen der IBM wieder da, wie allerorts zu lesen und zu hören ist.

Nicht falsch verstehen: Beide Produkte, um die sich der ehemalige General Manager Jeff Schick ungemein verdient gemacht hat, sind und bleiben Flaggschiffprodukte, die ihren Mehrwert haben und funktional erweitert und mit Watson-Funktionalitäten ausgestattet werden sollen. Allein ging und geht diesen vielen Kunden nicht schnell und visibel genug.

Der Druck, zeitnah zu liefern, ist jetzt noch stärker durch die Ankündigung von IBM Watson Workspace da. Aber auch die Aufmerksamkeit ist da. Das Collaboration-Team profitiert von der positiven Wahrnehmung von IBM Watson im Markt und kann auf dieser Welle nicht nur mitschwingen, ja kann sie hoffentlich maßgeblich prägen. Denn über Produkte wie IBM Verse, IBM Connections und IBM Watson Workspace kann Big Blue Watson-Funktionalitäten – sobald sie in den Lösungen verfügbar sind – an Millionen von Arbeitsplätzen bringen und so IBM Watson noch bekannter machen. Wenn alles gut geht, eine echte Win-Win-Situation für die IBM, das Collaboration-Team und nicht zuletzt die Kunden.

Watson ist also die eine Karte, auf die Inhi Cho Suh setzt. Die zweite Karte, die sie ausspielt, sind Partnerschaften. Schon vor ihrer Position als General Manager war Inhi aktiv an maßgeblichen Akquisitionen und Partnerschaften beteiligt. IBM hat in den vergangenen Monaten beispielsweise Partnerschaften mit Apple und Box oder dann auch Mitte 2016 mit Cisco geschlossen. Schon die Allianz mit Apple war für viele überraschend, obwohl sie vom Portfolio der beiden Partner eigentlich nur konsequent und logisch ist und war. Mit Box hat man sich auf eine mindestens zehnjährige Zusammenarbeit geeinigt, eine lange Zeit in der schnelllebigen IT-Welt.

Und dann hat die Koalition mit Cisco – die übrigens nicht nur den Collaboration-Bereich betrifft – wieder viele Marktbeobachter erstaunt, den gerade beim Thema Instant Messaging, Online Meetings und Enterprise Social Networking standen beide Unternehmen über Jahre im Wettbewerb. Nun setzt man auf Zusammenarbeit und will jeweils die besonderen Stärken des jeweiligen Partners gemeinsam vermarkten. IBM führt im Bereich E-Mail und Enterprise Social Networks, Cisco bei Unified Communication und Online Meetings. IBM geht mit Partnern im Gegensatz zu Marktbegleitern nun konsequent den Best-of-Breed-Ansatz: Man will die besten Lösungen miteinander integrieren und kombinieren und glaubt nicht, dass ein Unternehmen im Bereich Collaboration alleine bestehen kann. Für bestehende Kunden garantiert die IBM im Sinne des Investitionsschutzes und des Kundenservice Wartung und Funktionalität seiner existierenden Unified Communication-Lösungen.

Die Partnerschafts-Strategie treibt Inhi Cho Suh jetzt konsequent weiter. Sie führt den Bereich Collaboration Solutions ins Silicon Valley, wo sie selbst auch hingezogen ist. IBM sucht neue, innovative Partner gerade aus der App Economy und will mit diesen Unternehmen zusammenarbeiten. Auch hier gab es auf und rund um die World of Watson entsprechende Ankündigungen. Die Sprach- und Echtzeitkommunikationsfunktionen von Genband werden mit IBM Lösungen wie Verse oder Connections integriert. Zoom hat die Video Meeting-Integration angekündigt. Über die DocuSign-Partnerschaft wird die elektronische Signatur integriert. Es ist davon auszugehen, dass weitere Partnerschaften und folgen und sicher wird die Jahresveranstaltung des Collaboration-Bereichs, die ehemalige Lotusphere, jetzt IBM Connect einen weiteren Meilenstein darstellen, wo neue Partnerschaften zu erwarten und – und darauf hoffen viele Kunden und Partner – endlich auch neue Lösungen und Funktionen zu sehen sein werden. Die IBM Connect ist übrigens ins Moscone-Center nach San Francisco umgezogen. Auch das passt zur oben beschriebenen Strategie.

Die neue Partnerstrategie überrascht jedoch dann immer wieder. Eine weitere, große Ankündigung der World of Watson war die Zusammenarbeit mit Slack. Slack will Watson-Services in sein Produkt integrieren, Chatbots auf Basis Watson bauen und IBM und Slack hoffen hier ein Entwicklerökosystem gemeinsam zu begeistern und zu gewinnen.

Moment mal.

Ist Slack nicht ein Wettbewerber zu dem gerade angekündigten IBM Watson Workspace? Und einer der großen Differenzierungsmerkmale von Watson Workplace sollten doch die Watson-Funktionen sein? Und jetzt bekommt Slack auch diese Funktionen? Da hat auch mancher IBM Mitarbeiter die Stirn gerunzelt. Letztendlich ist die Strategie jedoch konsequent: Watson und die Watson Services stehen einem Ökosystem zur Verfügung, dass diese Dienste nutzen kann. Cisco, Slack, Box und viele kleinere Partner tun dies und IBM setzt darauf, dass immer mehr Partner auf diesen Zug aufspringen.

Der Collaboration-Bereich der IBM scheint aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht. Statt sein eigenes Ding zu machen, segelt man auf der Watson-Welle aktiv mit und nutzt das Momentum und den Vorsprung, den die IBM insbesondere als Lösung für Unternehmen und im Bereich Datenschutz hat. Ginni Rometty hat es laut und deutlich auf der World of Watson erklärt: IBM Watson ist die kognitive Lösung für Unternehmen. Und Deine Daten gehören Dir, liebes Unternehmen. Sie gehen nicht – wie bei manchem Marktbegleiter – in dessen Knowledge Graph

Parallel setzt man auf ein Ökosystem von Partnern, mit denen gemeinsam im Markt agiert wird. Die IT-Historie der vergangenen 20 Jahre hat gezeigt, dass ein solches Ökosystem ein, wenn nicht der Erfolgsgarant war. Windows wurde durch Partnerlösungen zum Erfolg. Lotus Notes war extrem erfolgreich, weil viele, viele Unternehmen und Entwickler Lösungen auf dieser Basis gebaut haben. Warum soll das jetzt nicht wieder mit IBM Watson und den IBM Watson Work Services gelingen?

Dieser Beitrag ist meine Interpretation und Einschätzung der gegenwärtigen Marktposition und der Strategie der IBM im Bereich Collaborations-Lösungen und kein offizielles Statement.

Veröffentlicht von StefanP.

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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