Es ist eine geniale Performance, die die große Aretha Franklin im Blues Brothers-Film hinlegt:

Alles, was sie in dem Filmsong erwartet ist ein bißchen Respekt von ihrem Mann.

Und das Wort Respekt beschäftigt mich derzeit sehr stark, denn mir scheint es heutzutage immer mehr daran zu mangeln. Dies gilt für die Politik und das tägliche Miteinander. Dies gilt auch für die Wirtschaft und insbesondere das Verhalten und die Führung in Unternehmen. Wer Leistung erwartet, sollte seine Mitarbeiter respektieren. Wer sich Engagement wünscht, sollte seine Mitarbeiter motivieren und respektieren. Wer seinen Kolleginnen und Kollegen diesen Respekt nicht entgegen bringt, der braucht sich nicht wundern, dass Dienst nach Vorschrift (wenn überhaupt) gemacht wird.

praesentation_zum_gallup_engagement_index_2015_pdfWer seine Mitarbeiter nach dem Zitronenprinzip immer mehr ausquetscht, immer mehr aufbürdet, der braucht sich nicht zu wundern, dass 84 % der Mitarbeiter in Deutschland keine oder nur eine geringe Bindung an ihr Unternehmen haben. Wer durch das Zitronenauspressprinzip glaubt, wirklich mehr Leistung oder gar Qualität herauszuholen, wird schnell feststellen, schief gewickelt zu sein. Die hehren Worte von Mitarbeiterbindung und Talentförderung klingen dann doch sehr hohl, besonders dann, wenn Mitarbeiter nach dem Prinzip und nach der Vorgabe nur 10 % dürfen sehr gut bewertet werden, alle in der Mitarbeiterbewertung anderen fallen unter „Sonstige“ ihre Jahresgespräche ertragen müssen.

Auch ein Führungsproblem? Ganz sicher. Und das auch von mir oft zu Unrecht viel gescholtene mittlere Management hängt mitten drin. Order Mufti von oben und Mitarbeiter unten. Da fällt Rückgrat – das zweite R-Wort neben Respekt – schwer. Oder aber gilt das, was Axel Oppermann schreibt? Den Karrierepfad – besonders im Konzern – ins gehobene Mittelmanagement gehe eh nur durch Hauen und Stechen, Treten und Beißen. Da muss man wohl eher flexibel auf der Rückseite sein. Doch wie heisst es so schön in einer Erklärung zu rückgratlos im Netz: „Ohne Rückgrat ist der aufrechte Gang nicht möglich.“

Ja, es ist schwierig. Die berühmten Sachzwänge – ich hasse das Wort – des realen Wirtschaftsleben fordern insbesondere auch Unternehmensführung und Mittelmanagement. Trotzdem sollten Respekt und Rückgrat kein Fremdwort von gestern sein, gerade auch gegenüber den Kolleginnen und Kollegen. Und ich benutze hier bewusst das Wort Kollege und nicht Mitarbeiter.

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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