CeBIT-Zeitenwende: CeBIT Chef Frese kündigt an, dass die Messe neu aufgestellt wird. Mal wieder, diesmal wohl radikaler. Man verschiebt die Messe aus dem kalten März in den vielleicht warmen Juni: Plattform für digitale Innovation und Technologiefestival an 5 Tagen, so liest man es auf der Home Page der Hannover Messe. Sie soll ein lokales South meets Southwest-alike Event werden. Ich gebe zu, ich habe da meine Zweifel. Da sprechen wir von anderen Zielgruppen, von anderen Formaten und anderen Zielen. Klassische Leads schreiben und Pipeline generieren auf einer South meets Southwest? Statt Hunderten von Bildschirmen mit mehr oder eher weniger engagierten Vertrieblern und Technikern, die in der Regel mit dem Rücken zu den lästigen Störern stehend eher weniger geschickt Besucher mit Tech-Nick-Talk volltexten, ein Festival? Wie positioniert sich diese neue CeBIT im Markt beispielsweise auch gegenüber einer republica? Kann ein solches IT Festival gerade auch in Hannover in Deutschland wirklich funktionieren? Viele Fragezeichen. Man soll mit Vergleichen vorsichtig sein, aber vieles erinnert mich an den Ab- und Niedergang der DMS Expo, die trotz einiger (viel zu später) Wiederbelebungsversuche dahin gegangen ist.

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CeBIT 2017: Blick von oben auf die Cognitive Ways To Work Area, die wir mit Design Offices gestaltet haben.

Zeit auch auf meine CeBIT-Historie (mit vielen Erinnerungslücken) zurück zu blicken: Einer meiner ersten Besuche habe ich als journalistischer Freelance und Student unternommen. Damals schrieb ich für Win und PC Praxis Testberichte über WordPerfect und ähnliche Bürowerkzeuge. Mit einem der damaligen Redakteure Wolfram Schuchardt bin ich noch heute freundschaftlich verbunden. Nie vergessen werde ich, wie ich in Halle 1 auf dem IBM Stand (wirklich!) auf das Dach geführt wurde und man mir Office Vision zeigte, eine grafische Benutzeroberfläche mit Drag-and-drop von Elementen auf das Fax- oder Drucksymbol. Ich war tief beeindruckt von der unfassbaren Grösse des Standes und eines Pressezentrums auf dem Dach der Halle. Das muss um 1992, wahrscheinlich sogar früher gewesen sein. Überschrift von damals in der Computerwoche: Die CeBIT wächst weiter: 1992 mehr Hallen und mehr Aussteller auf 21 Hallen zwischen dem 11. und 18. März, knapp 650.000 Besucher.

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intellis-Zeiten: Brav musste das Logo am letzten Tag auf dem Microsoft-Partnerstand abgekratzt werden.

Danach war ich mit der intellis regelmässig in Karnickelställen auf dem Microsoft-Partnerstand. Es war die Zeit, als Windows groß wurde, Windows 3.1 und Windows 95 in den Markt gebracht wurden und wir Windows-Applikationen in Deutschland und der Schweiz vermarkteten. Die damaligen Partner, das Ökosystem von Anwendungen hat Windows damals – im Gegensatz zu OS/2 – groß gemacht. Damals konnte man noch als kleines Unternehmen mit Microsoft zusammenarbeiten. Jahre später habe ich dann den damaligen Partnermanager Mitch Wolfson bei der IBM wieder getroffen. Eine wilde, aufregende Zeit mit Parties bei KHK, wo jedem Abend die Band Kaaa-Haaaa-Kaaa skandierte und Bier in Strömen floss. Unvergessen auch die legendären Novell-Feiern. Partyzeit in jugendlicherem Alter …

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And the Band played on – MIS Mitarbeiter rockten damals live die CeBIT.

Und die CeBIT lebte auch von Business-Besuchern, denn in den Vorzeiten des Internets kamen IT Spezialisten und IT Leiter vorbei, um Informationen zu sammeln und sich Produkte live anzusehen. Es brummte – und das nicht nur an 5 Tagen unter der Woche. Es war die Zeit, als die CeBIT noch über das Wochenende ging und die berühmten Beutelratten in Masse unterwegs waren.

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Zu MIS-Zeiten in jugendlicher Schönheit am Stand.

Danach war ich mit der MIS regelmässig auf der CeBIT, dann auch mit eigenem Stand. Lange waren Privatunterkünfte die einzig finanziell tragbare Option, in Hannover zu übernachten. Das war ich noch von der intellis gewohnt. In den ersten Jahren der MIS sind wir dann mit einer Reihe Wohnmobilen zur CeBIT gefahren. In den Wohnmobilen Prospekte, Monitore, Exponate – und einige Kisten Bier. Genächtigt wurde auf dem Campingplatz am südlichen Ende der CeBIT in den Campingmobilen. Morgens nach oft alkohodurchdrängter Nacht in Badelatschen zu den Duschen. Die Männerduschen waren meist kalt, also mal schnell rüber zu den Mädels, Geschreie, aber trotzdem dort geduscht. Auf dem Weg zur Messe wurde dann in einer Imbissbude schnell gefrühstückt und ich werde nie vergessen, wie mein Freund und Kollege Ioannis morgens versuchte, Currywurst mit Pommes zu bestellen. Gerne erinnere ich mich auch an die Touren mit meinem Freund Merten Slominsky und seinem Team von JetForm. Kein Auge blieb wirklich trocken.

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Im Netz gefunden: Der damalige FileNet Stand in Halle 1.

Nach meinem Wechsel zu FileNet im Jahr 2000 ging es weiter. FileNet hatte in Halle 1 einen 1.000 qm Stand, den wir dann auf die Hälfte reduzierten. Nie „verziehen“ haben mir meine Vertriebskollegen das Jahr, in dem sie mit Fliege, Weste und weissem Hemd den Besuchern zu Diensten sein durften. Immer diese vermeintlich kreativen Marketingleute mit ihren verrückten Ideen. Tja, und dann killten wir als FileNet die CeBIT, da wir von den Ergebnissen nicht mehr überzeugt waren.

2007 wurde die FileNet von IBM übernommen – und plötzlich stand ich wieder auf der CeBIT und das auf einem wirklich imposanten Stand, zuerst in Halle 1, dann in Halle 2. Dumm gelaufen. Seitdem habe ich mit Unterbrechungen am IBM-Auftritt auf der CeBIT mitgearbeitet, so auch in diesem Jahr, wo wir zusammen mit Design Offices den „Bürokommunikations-Bereich“ – neudeutsch „Cognitive Ways To Work“ auf dem Stand gestaltet haben. Und erstmals für die IBM haben wir Theater gemacht mit dem Moderator und Freund Martin Meyer-Gossner.

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Die CeBIT: Immer auch Gelegenheit Freunde und Bekannte zu treffen, hier Uli Kampffmeyer in 2016 in der IBM Executive Lounge am Fireside Chat.

Für mich war die CeBIT immer als Treffpunkt wichtig. Mindestens einmal im Jahr trifft man sich mit Presse, Analysten, guten alten Bekannten und Freunden wie Uli Kampffmeyer, Björn Negelmann und vielen anderen. Mal schauen, wie es mit der CeBIT weiter geht. Ich drücke bei aller Skepsis die Daumen.

Veröffentlicht von Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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